2006/03/30

Andamanen (30.3.2006)


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Die Andamanen und Nikobaren sind eine ziemlich große Inselgruppe mitten im indischen Ozean. Obwohl sie politisch zu Indien gehören sind die 600 Inseln eigentlich ein Teil Südostasiens und die Spitze eines riesigen Unterwassergebirges, das von Myanmar ausgehend nach Süden hin in Sumatra und Java weiterläuft. Sie laufen auf indischer Einheitszeit, was in diesen Breiten (beziehungsweise Längen) dann Sonnenaufgang um halb fünf bedeutet.

Im Auftrag des Independent hat ein deutscher Forscher Anfang des Jahres eine „Formel für den Traumstrand“ erstellt, die die Andamanen, vor den Malediven und den Seychellen auf Platz 1 rechnet. Fragwürdig, aber nachzuvollziehen. ;) Die Leute hier sind auf jeden Fall mächtig stolz.

Traurigerweise sind die Inseln erst durch den Tsunami 2004 bekannt geworden, als viele der südlichen Inseln (Nikobaren) schwer getroffen wurden. Offiziell starben hier 6000 Menschen, uns wurde aber gesagt, dass diese Zahl ums zehnfache untertrieben ist, da die Regierung Entschädigung sparen will. Wir haben Amateurbilder sehen können, die Welle zeigen: unfassbar. Eine Insel mit (zuvor) 12000 Einwohnern wurde komplett von der Welle leer gefegt. Eine unglaubliche Naturkatastrophe.

Die Inselgruppe ist touristisch praktisch nicht erschlossen und die allermeisten Inseln sind unbewohnt und nicht zugänglich. Tatsächlich gibt es auf den Inseln noch Urvölker, die noch keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Speziell die Onge (leben unter anderem auf North Sentinel Island) zeichnen sich dadurch aus, dass sie Versuche, mit Booten auf ihren Inseln zu landen mit einem Hagel aus Pfeilen quittieren. Mir war nicht bewusst, dass es so etwas überhaupt noch gibt. Die Siedlungen der Janwar wurden in den 50er Jahren von der indischen Regierung bombardiert, da sie die zuströmenden indischen Siedler angriffen. Heute haben sie geschützte Reservate auf den Hauptinseln zur Verfügung. Die Andamesen waren von vorneherein sehr aufgeschlossen gegenüber Indern und Briten, was ihre Ausrottung durch Grippe-Viren zur Folge hatte. Die Nikobaresen sind angepasster aber haben sich wohl einen Rest eigener Kunde bewahrt: aufgrund alter Überlieferung oder durch wachsames Beobachten des Verhaltens der Tiere (ist nicht so ganz klar)… flüchteten sie in den Urwald, bevor die Welle anrollte – und überlebten.

Wie alle Anreisenden landeten wir in Port Blair, der einzigen Stadt der Andamanen. Trotz tropischer Lage unterscheidet sie sich nicht sonderlich von jeder anderen indischen 150000-Einwohnerstadt, sprich nicht besonders ansprechend… also nahmen wir mit zwei Deutschen, die wir am Flughafen kennen gelernt hatten, sofort die Fähre auf eine der Inseln. Da nur die „Haupttouristeninsel“ Havelock Island an diesem Tag angefahren wurde, schmissen wir unsere Neil-Island-Pläne kurzfristig über Bord.

Havelock erwies sich als bei weitem weniger entwickelt als erwartet, weswegen ich auch die Anführungszeichen gesetzt habe. Touristisch erschlossen bedeutet hier mehr, dass es überhaupt Übernachtungsmöglichkeiten gibt – wovon Havelock mit 300 Betten (Hängematten mitgerechnet ;)) die meisten hat. Die gute Informationsversorgung der israelischen Traveller auf der Suche nach schönen, unerschlossenen (und damit günstigen) Reisezielen sorgte jedoch für einen erheblichen Zustrom, so dass die Ressorts völlig überfüllt waren. Nachdem wir uns schon mit einem Schlafplatz im Restaurant vom Pristine Ressort abgefunden hatten, hatten wir im Eco Ressort doch noch Erfolg und fanden die letzte freie Hütte.

Zu unserer großen Freunde marschierten Helen (aus Schweden) und Kaala (eigentlich Alessandro, aus Italien), unsere Bekannten aus Goa, just an diesem Abend in das „Restaurant“ (große Bambushütte mit Matten) unseres Ressorts. Auch sie hatten sich erst nach Goa dazu entschieden, auf die Andamanen zu fliegen – und waren genauso perplex, dass wir uns wieder treffen. Sie waren an den Abend nur in unserem Ressort-Restaurant, weil in ihrem Ressort alle Angestellten inklusive Koch in den Wirren des gerade stattfindenden Holi-Festivals, eine Art indischer Karneval mit Farbbeuteln statt Bonbons, verschwunden waren.

Am nächsten Morgen zogen wir zusammen ins Amazon Ressort um. Hier waren noch zwei benachbarte Hütten frei, nicht zuletzt, deswegen, weil es sich der sympatische Betreiber Stanley mit dem Mädel vom Lonely Planet über einen „Discount on Lobster“ verscherzt hatte. Falls ihn jemand nicht kennen sollte: Der Lonely Planet ist DIE Traveller-Bibel überhaupt.
Da Stanley einen „shanti“ (Hindi für „langsam/ruhig“) Ort bevorzugte, blieben wir die nächsten zwei Wochen dort: Zwar haben wir beide nichts gegen einen feinen Elektrobeat einzuwenden – aber Isreal-Psy-Trance a la Infected Mushrooms um 7 Uhr morgens muss ja nun echt nicht sein. Dass die meisten Israelis gerade aus 3 Jahren israelischer Armeen kommen und einen drauf machen wollen, ist zwar zu verstehen, machte sie aber ziemlich unbeliebt bei den Indern und den anderen Travellern. In der Praxis heißt dass, Ressorts mit zu hohem Israeli-Anteil zu meiden, wenn einem Schlafen und Ruhe wichtig sind. Wenigstens ist die Musik (meistens) ganz gut.

In den folgenden zwei Wochen verbrachten wir die meiste Zeit mit Lesen, Schnorcheln und Hängematting. Einige Tage nachdem wir Alessandro und Helen wieder getroffen hatten, begegnete uns auch Janus (aus Dänemark) noch mal, den wir ebenfalls in Goa schon getroffen hatten. Er hat sich inzwischen (oho!) eine deutsche Freundin namens Anna angeschafft hatte. ;)

Unsere Hütte lag direkt am Strand („Beach Number 2“ in der Nähe von „Village Number 3“), weswegen wir nur selten andere Teile der Insel ansahen – wenn, dann meistens um den Tropentraum schlechthin („Beach Number 7“) zu besuchen.

Hannah hatte leider zwischen durch eine arge Gastritis. Nach der zweiten Nacht mit üblen Magenschmerzen besuchten wir das „Hospital“ der Insel: überraschenderweise wirkte der Arzt kompetent – und: da Regierungshospital, waren Behandlung und Medikamente umsonst. Hannahs Gastritis fesselte uns einige Tage ans Ressort und brachte mich dazu meine mit 10 Jahren beendete Schach-Karriere wieder aufleben zu lassen. Schliesslich ging es ihr zum Glück besser.

Sehr schön war unser länger in der „Konzeptphase“ angedachtre Bootsausflug, den wir mit Chirit aus Israel, den beiden Deutschen, dem Ressortbetreiber Stanley und seinem hervorragenden Koch Ramu zum Schnorcheln und Fischen machten. Als endlich einmal alle gleichzeitig anwesend und gesund waren und auch noch die Sonne schien, ging es endlich los. Mit „Motorschaden“ als Erklärung für die eventuell auftauchende Nationalpark-Polizei blieben wir leider an einem Traumstrand auf einer unbewohnten Insel liegen (Fotos) – so ein Pech ;).

„Beach Number 7“ ist sicherlich eines der Highlights bis jetzt: Ein zwei Kilometer langer, kristallweißer Sandstrand in Form eines Halbmondes. Türkises Wasser, perfekte Wellen, Urwald im Hintergrund – viel besser wird es wohl nicht. Zum Glück darf an dem Strand nichts gebaut werden, aufgrund der Regeln im Nationalparks (die auch für die kuriosen Nummern-Namen verantwortlich sind). Die indischen Touristen, falls vorhanden, bewegen sich nicht von aus den 50m Küstenlinie unmittelbar am des Ende des Weges zu Strand 7 weg. Das heißt, die 2 Kilometer Strand sind komplett leer, außer einer kleinen Stelle, wo 100 Leute auf einmal baden. Kurios. Dazu muss man wissen, dass die Inder zum einen meist nur eine Stunde im Rahmen einer organisierten Pauschalreise an den Strand kommen (Individualismus ist generell keine der hervorstechenden Eigenschaften Asiens) – und zum anderen, weil die meisten Inder einfach nicht schwimmen können (böse gefragt: wie auch mit Klamotten an?).

Unsere Lieblingsstelle war „die Lagune“: ein kleiner Strand, der sich relativ abseits an das nördliche Ende von „Beach 7“ anschließt und aus 2 Korallenriffen rechts und links und einem zum Schwimmen geeigneten Sandteil in der Mitte besteht. Das Schnorcheln hier stellte sich als ziemlich unglaublich heraus: wir sahen große, bunte Fischschwärme, Hummer, Seeigel, Barrakudas, Riesenmuscheln und „Nemos“ in ihren Anemonen. Dazu alles an Weich- und Hartkorallen, was die Tropen hergeben. Über- und Unterwasser ein wunderschöner Ort.

Eine andere Stelle, die man auf Havelock ansteuern kann ist „Elefant Beach“ – mangels Namens von den Touristen so getauft, weil im Urwald dahinter Arbeitselefanten, hier noch sehr begehrt, ihren Dienst verrichten. Der Weg ist nicht ausgeschildert und führte ca. 45 Minuten durch tiefen Urwald, der mit einer entsprechenden Klangkulisse aufwartete. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sich nicht am Rückweg versuchen! Der Strand selber ist von Tsunami komplett zerlegt worden: der Sand ist größtenteils abgetragen, die erste Baumreihe liegt als Leichen quer über dem Strand, was das ganze etwas unwirklich erscheinen lässt. Sollten wir der Meinung sein, vorher beim Schnorcheln schon viel gesehen zu haben: hier steigt man in das absolute Aquarium. Hannah sah einen Fisch wieder, den sie nur aus Kinderbüchern kannte: den hochgiftigen Zebrafisch. Sie war begeistert vom Schnorcheln, und mit der Einschränkung auf die Wasseroberfläche nicht einverstanden: ich glaube, das mit dem Tauchkurs ist keine Frage mehr.

Aber apropos hochgiftig: Eine ca. 3 Meter Schlange, ebenfalls giftig, schreckte die Israelis, die sich gerade am Strand vor unserem Ressort mit eine paar Joints (auf den Andamanen wird das eher liberal gehandhabt) bequem gemacht hatte, auf. Mit gebührendem Abstand folgten ihr alle, was sie dazu veranlasste, sich die erste Deckung zu suchen, die sie finden konnte: die Veranda unserer Hütte! Ein indisches Kind wurde auf der Insel nur einige Woche zuvor von eben dieser Spezies, wie die meisten hier eine endemische Art der Andamanen übrigens, gebissen – und starb. Daher fand sich letztlich eine Mehrheit für die etwas martialische Kopf-Ab-Lösung die mit den Bildern dokumentiert ist (sie sind nicht von unserer Kamera: die war in der Hütte, und ich hatte irgendwie wenig Lust sie zu holen). Stanley lud das schlechte Karma auf sich und erledigte die Schlang mit einem gezielten Macheten-Hieb. Die unromantischeren Seiten der Naturnähe im Nationalpark stellten wir dann am Abend direkt noch einmal fest: ein (ebenfalls giftiger, wenn auch nicht tödlicher) 20x4cm-Hundertfüssler kletterte aus Hannahs Unterwäsche! Sie hatte sie zum Glück nicht an. Tja, die Tropen sind nicht Sylt. Die Schlange, auf die Hannah auf dem Heimweg um ein Haar drauf getreten wäre – war aber ungiftig, wie uns die Inder versicherten. Na ja, wir waren beide froh, dass ich auch im Halbdunkel noch gut sehe, und Hannah im letzten Moment festgehalten habe.

Mein Geburtstag (am 27.) war sehr schön: Wir saßen mit den Leuten unseres Ressorts im Strandhütten-Restaurant. Nachdem wir Ramu extra gefangene Hummer verspeist hatten brachte Hannah mir das Handy des Bruders des Freundes des Nachbarn des Ressortbetreibers (oder so ähnlich)… andere Mobilnetze funktionieren auf den Andamanen nicht. Die Zeitverschiebung mit etwas kruden 4,5 Stunden und der Wechsel von Winter- auf Sommerzeit in dieser Nacht sorgten dafür, dass ich Geburtstagsständchen per Telefon so ziemlich zu jeder vollen halben Stunde von halb elf bis eins erhielt. ;) Meine Oma war aber pünktlich. Um Mitternacht durfte ich die Kerzen an meinen Kitsch-Revanche-Geburtstagskuchen auspusten. Hannah schenkte mir einen liebevoll gebastelten Gutschein über eine Nacht einem luxuriösen Taj-Hotel nach Wahl (etwa das Lake Palace Hotel in Udaipur, das aus Octopussy) – was mich sehr freute. Die Taj Hotels sind die pompösen ehemaligen Maharaja-Sitze in wüstenreiche Rajasthan in Nordindien.

Nach zwei Wochen auf den Andamanen nahmen wir die Fähre zurück nach Port Blair. Hatten ein paar Unterhaltungen mit einigen Indern, die ausnahmsweise mal keine monetäre Transaktion zum Ziel hatten.
Unter anderem schenkte mir ein Sikh namens Singh sein Mittagessen, für das er schlauerweise ein Gutschein erworben hatte. Natürlich nicht auf dem Schiff, sondern von einem Reisebüro, dass sie von dem Fährbüro erworben hat, dass sie wiederum im Auftrag der Fährgesellschaft verkauft… oder so. Kostet dann aber nur 25Rs, also knapp 0,5€. Danke auf jeden Fall für die schmackhafte Rettung vor der Bürokratie. Diese ist in Indien allgegenwärtig: sogar für den Kauf eines Bahntickets zweiter Klasse muss man ein Formular ausfüllen. Formulare enthalten üblicherweise auch Angaben wie „Name of husband or father“ als Pflichtfelder. Auch das Fotografieren von Lokomotiven erfordert in diesem Land eine schriftliche (aber kostenlos auf schriftlichen Antrag hin zu erhaltende) Genehmigung. Eventuell sollte man im Zeitalter von Google Earth solche Regelungen noch einmal „für 5 Cent überdenken“ (O-Ton Hannah).
Fast alle Sikh heißen Singh („Löwe“), was der Effizienz des Telefonbuchs von Amritsar schaden dürfte, mutmaße ich jetzt mal. Die Sikh scheinen ganz nett zu sein, vor allem gelten sie als zuverlässig. Warum gerade die Sikh mit ihren Turbanen zum Klischee-Inder-Bild im Westen wurden, ist mir allerdings schleierhaft: zum einen sehen sich die aus Punjab stammenden Sikh nicht wirklich als Inder (siehe Indira-Ghandi-Mord), zum anderen gibt es nur 20 Millionen von ihnen in ganz Indien. In einem Land mit einer Gesamtbevölkerung von bald 1,3 Milliarden ein Klacks.

Hannah bekam dagegen einen Tee von einem Ingenieur aus der Nähe von Bopal (leider nur bekannt wegen eines üblen Chemieunfalls) geschenkt und musste als Fotomodell für Heerscharen junger Studenten herhalten. Wir griffen unseren Bombay-Witz („photo 10 rupees, girl alone 50 rupees“) wieder auf. Die Stimmung auf der Fähre war gut – ein älterer Israeli, der mit seinem Sohn durch Indien reiste, überredete mich schließlich dazu, mit ihm in die bengalischen Tänze auf dem Oberdeck einzusteigen (Fotos).

Wir hatten unsere Flüge umgebucht, um von unserem Treffen mit Wagma in Pakistan noch genügend Zeit für Nordindien zu haben. So verließen wir Port Blair am 30. März mit Air Deccan, dem indischen Billigflieger, in Richtung Kalkutta…

Daniel

Kalkutta (30.3.2006)


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Oh Kalkutta! Als Armenhaus Indiens in den Reiseführern und bei mehreren modernen Schriftstellern des letzten Jahrhunderts als „ein einziger, hoffnungsloser Haufen Scheiße“ beschrieben, zunächst nicht unbedingt der Ort, an dem man viel Zeit seiner Reise verbringen möchte… Das dachten wir uns jedenfalls und waren höchst erstaunt, immer wieder auf Reisende zu treffen, die sogar mehrere Wochen dort verbrachten und die Stadt angeblich liebten. Die Menschen seien so nett und alles sei überhaupt so wunderbar! Können sich denn so viele Menschen getäuscht haben? Oder hatten wir es lediglich mit durchgeknallten Drogenabhängigen zu tun, die im Nebel ihres Wahnsinns die Realität nicht mehr wahrzunehmen vermochten!???
Kalkutta ist auf den ersten Blick, in unserem Falle der Landeanflug von den Andamanen, überhaupt nicht schockierend. Viel Grün, Prachtstrassen und natürlich der obligatorische verseuchte Fluss, der uns nach all den Wochen Indien nicht mehr erschrecken kann.
Eine Millionenstadt, von denen laut Reiseführer zwei Drittel in den Slums wohnen.
Fuhr man in Bombay geradewegs aus den Slums heraus um in die Innenstadt zu gelangen, so waren hier in Kalkutta zunächst nur weit angelegte Strassen und Grüngürtel zu sehen. Fast war ich schon ein wenig enttäuscht, als unser Taxi dann endlich mit einer scharfen Wende in den puren Orient abtauchte. Da waren sie. Schreiende Rikschafahrer auf ihren klapprigen Rädern (kaum Motorrikscha, sondern Fahrrad- oder Laufrikscha), schreiende Straßenverkäufer, schreiende Mütter, permanentes Hupen von allen Seiten, breite Lächeln aller Passanten, die neugierig versuchten, schnell noch einen Blick auf die blonde Besatzung des Taxis zu erhaschen, trotz all des Lärms immer wieder Schlafende an den Straßenrändern, die sich vor der scharfen Mittagshitze zu retten versuchten – das ganze Programm!
Die Bengalen sind berühmt für ihr Temperament und ihre Hitzköpfigkeit. Zuvor hatten wir schon öfter Bengalis mit den Fäusten aufeinander losgehen und sich anschreien gesehen, was für die Inder im Allgemeinen als sehr unhöflich gilt. Aber in den Strassen Kalkuttas mischt sich dieses Temperament mit einem gewissen Humor unter das Volk. Hier wird gehandelt, geschrieen, gelacht und …geflirtet! Schmierige Bemerkungen an jeder Straßenecke war ich nach zwei Monaten Indien ja nun schon gewöhnt. Aber die Männerwelt Kalkuttas sieht einen Flirt ähnlich wie die Italiener in Europa wohl eher als eine Art Volkssport an und so wurde ich alle fünf Meter mit netten (und gar nicht fiesen) Kommentaren überhäuft. Wo bitte haben sie denn das gelernt (Nein, natürlich trug ich keinen Minirock!)!?
Da wir nur den einen Tag in Kalkutta verbrachten, wäre es sehr anmaßend, mich näher über die sozialen und politischen Verhältnisse der Stadt auszulassen. Wir brauchten fast zwei Stunden, um unser Gepäck zum Hauptbahnhof zu bringen, von dem abends bereits der Zug nach Varanasi weitergehen sollte. Und erst im Norden der Stadt, anschließend an das Gebiet des Hauptbahnhofes sollten die schrecklichen Slums liegen, die uns somit erspart blieben. Aber das, was wir in diesem einen Tag von Kalkutta gesehen haben, war nicht annähernd so schlimm wie erwartet. Im Gegenteil, auch ich hätte mir tatsächlich vorstellen können, noch ein bisschen länger dort zu bleiben.
Bevor wir uns jedoch auf die Reise nach Varanasi machten, hatten wir noch eine wichtige Mission: Matthias und Kari, zwei Norweger, die wir bereits am Flughafen in Port Blair kennengelernt hatten und die ebenfalls nach Varanasi wollten, hatten sich in den Kopf gesetzt, einen Pizza Hut aufzutreiben, um ihren lang geschürten Pizza-Heisshunger (sie waren über vier Wochen auf den Inseln, auf denen so gut wie keine Infrastruktur bestand) zu befriedigen. In Null-Komma-Nichts hatten sie mich infiziert und alle zusammen saßen wir bald darauf in einer Rikscha auf der Suche nach der heiligen Pizza.
Gut gesättigt befanden wir uns einige Stunden später im Zug und schliefen der Heiligen Stadt entgegen.

Hannah

2006/03/14

Madras (14.3.2006)


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Am Morgen des 12. März verließen wir mit dem Bus Munnar und machten uns auf den Weg nach Madurai, einer berühmten Tempelstadt in Tamil Nadu, dem südöstlichsten Bundesstaat Indiens. Dies erwies sich leider nicht als so einfach wie wir zunächst dachten. Mal wieder!

Nach einer zweistündigen Busfahrt sollten wir Zwischenstopp in woauchimmer machen, um von dort aus den Schnellbus nach Madurai zu nehmen.


Nach Ewigkeiten kamen wir in Madurai an. Hier ergab sich das nächste Problem. Ein Zugticket zu kaufen, ist in Indien eine zeitaufwendige und komplizierte Sache. Hier muss man wirklich beweisen, dass man tatsächlich mit dem Zug an einen bestimmten Ort fahren möchte. Man braucht einen Pass bzw. Reisepass, viel Geduld, die Sprachbarriere (auch am Touristenschalter, wenn besetzt) zu bewältigen und natürlich ein sehr wichtiges Formular, auf dem man sein Alter, sein Geschlecht und seine Anschrift in der Heimat angeben muss. Für den Fall eines Bahnunglücks ersparen sich die Behörden so ne ganze Menge Arbeit. Bleibt die Frage, ob das zu den ABM gehört oder sich in die Realität umgesetzt tatsächlich lohnt…!? Besser nicht darüber nachdenken.


In Chennai angekommen, fanden wir in der mehr oder weniger unspektakulären Stadt ein ziemlich heruntergekommenes, aber sehr niedliches Guesthouse im Kolonialstil. Hier erholten wir uns ein wenig von den Strapazen bevor wir am nächsten Morgen um vier aufstehen mussten, um zum Flugzeug zu fahren. Das einzige, was mich an Chennai dann doch beeindruckt hat, waren seine großen Shoppingmalls. Denn dort gab es seit langer Zeit das erste Zeichen des Westens: Pizza Hut! Ihr könnt es glauben oder nicht, aber vor lauter Rührung hatte ich Tränen in den Augen. Das war es, was ich wollte: unkomplizierte Essensaufnahme in Form von amerikanisierten und fettigen Pizzastücken – yes!

Auch die Abflugzeit ist in Indien eher eine nicht allzu streng einzuhaltende ungefähre Richtlinie, wann das Flugzeug theoretisch den Flughafen verlassen könnte. Aber das scheint niemand zu stören und Ewigkeiten später saßen wir entspannt in unseren Sesseln und flogen der Sonne entgegen, immer tiefer in den äußersten Osten des indischen Ozeans.



Hannah

2006/03/12

Munnar (12.3.2006)


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Munnar ist ein auf etwa 2000m gelegener Ort, der im Wesentlichen für die Schönheit seiner Landschaft und Teeplantagen bekannt ist.

Endlich saßen wir mitsamt unseres schweren Gepäcks und völlig nass geschwitzt im Bus, der uns nach Munnar bringen sollte. Die Hitze war unerträglich und unsere Ungeduld auch, nachdem wir noch so lange im überhitzen Bus auf die Abfahrt warten mussten. Wild ruckelnd ging es los. Wir hatten den Busbahnhof noch nicht verlassen, als unser Vehikel, das mir sowieso nicht allzu sympathisch und zuverlässig erschien, nun endgültig den Geist aufgab. Wir mussten alle den Bus mit dem Kommentar „only five minutes“ wieder verlassen. Nach ca. eineinhalb Stunden Warterei ohne ein einziges Lebenszeichen unseres Fahrers, begannen wir mit einem Taxifahrer einen Preis auszuhandeln. Für umgerechnet 28 Euro traten wir zusammen mit zwei Mädels aus England, die wir am Bussteig getroffen hatten, die vier-bis-fünfstündige Reise in die Berge an. Es handelte sich um eine der Luxusvarianten der Taxis: ein durchgesessener Ambassador, dessen Interieur wie auch das Äussere sich seit den 50ern abgesehen von einigen Roststellen nicht mehr verändert hatte. Stolz, ein paar Touris abgegriffen zu haben, ließ der Fahrer, der das Alter des Gefährts noch um einiges überschritt, den Wagen durch die Strassen gleiten. Auf indischen Strassen gilt immer: der Stärkere hat Vorfahrt. Sollte unklar sein, wer der Stärkere ist, hat der Mutigere Vorfahrt, in diesem Fall auch meistens der mit der lauteren Hupe. In diesem Punkt hat die Evolution dem Verhalten von Affen noch nicht viel voraus und somit wichen uns alle Rikschas und Möchte-gern-Autos schnell aus dem Weg. Vor Sonnenuntergang hatten wir oft eine tolle Aussicht auf die tolle Landschaft im Landesinneren. Die Gegend lebt von riesigen Wasserfällen, deren Flusslauf uns die Richtung wies. Im Dunkeln mussten wir den Fahrer eindringlichst bitten, die Scheinwerfer anzumachen. Mit ängstlichem Blick erkannte ich so gerade noch den tiefen Abgrund zu meiner Rechten. Den Fahrer schien das nicht zu beeindrucken – vielmehr war er besorgt um seine Lichtmaschine, die nicht mehr lud, wie er uns mit wilder Gestik versuchte klar zu machen. Das wiederum ließ uns relativ kalt und wir bestanden auf eine Nachtfahrt ohne zusätzlichen Spannungseffekt.

Kurz nach unserer Ankunft wurde ich – wie sollte es anders sein – krank. Anscheinend war ich zu optimistisch, nach fünf Wochen ohne Magenerkrankung nicht mehr der Indienkrankheit zu erliegen. Ich erspare Euch lieber die Details. Nur eines: solltet Ihr Nach Indien fahren, sollte eine gute Reiseapotheke einen gewissen Platz in Eurem Reisegepäck einnehmen.
Munnar war wirklich schön und nach der Hitze an der Küste Keralas geradezu erleichternd kühl. Immer noch ziemlich angeschlagen, unternahm ich dennoch mit Daniel zwei Touren in die Berge. Wäre mir nicht wieder so fürchterlich schlecht geworden, wäre die Bustour bestimmt toll gewesen – die Landschaft hätte es verdient! Zumindest wurden wir am Ziel unserer Tour belohnt: aus nächster Nähe konnten wir eine komplette Familie wilder Elefanten beobachten inklusive zweier Mini-Elefanten-Babies, die sich an den Bauch ihrer Mutter drängten. Super!
Außerdem bekamen wir noch ein paar Bisons, einige Steppenhirsche und jede Menge frecher Affen zu sehen. Nachdem wir zunächst immer nur ein paar Schatten im Busch sahen oder irgendetwas rascheln hörten und unser Guide ganz aufgeregt in die Luft sprang und offensichtlich freudig erregt irgendwelche Tiernamen nannte, hatte ich den leisen Verdacht, dass es sich auch hier mal wieder um eine der vielen Touri-Abzocken handelte und vermutlich nur ein Kollege mit einem übergezogenen Fell durch die Büsche kroch und „den Tiger machte“. Aber zum Schluss sah ich ein, dass ich ihm Unrecht getan hatte… Sorry!

Hannah

2006/03/09

Backwaters (9.3.2006)


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Aufgrund meines kleinen Zahn-Unglücks mussten wir das traumhafte Hampi leider recht schnell wieder verlassen und unsere Reisepläne für den Süden kurzfristig ein bisschen ändern. Zunächst war eigentlich ein weiterer Strandaufenthalt in Gokarna (ebenfalls im Bundesstaat Karnataka) geplant. Dieser Ort ist zugleich ein beliebter Pilgerort.
Hier wollten wir uns noch für ein paar Tage dem Strandleben und dem Nichtstun hingeben bevor unsere Route uns wieder zurück auf unsere „Kultur-Strecke“ im Norden führen sollte. Letztendlich kam jedoch alles anders.
Um einen guten Zahnarzt zu finden – mein kleines Zahnproblem entpuppte sich als überhaupt gar nicht so klein – war es am besten, direkt einen modernen Ort im reichen Staat Kerala aufzusuchen und unsere Wahl fiel auf Kochin, da dies laut Reiseführer zumindest noch ein bisschen kulturelles Rahmenprogramm aufwies. Die auf einer Insel vorgelagerte Altstadt „Fort Kochin“ entpuppte sich zwar als Dreh- und Angelpunkt aller Nord-Süd-Reisenden, war jedoch dennoch nicht überstrapaziert touristisch und trotz meiner ohnehin schon angespannten Nervenlage nicht völlig schlimm, obwohl ich glaube, Daniel mit meiner Laune schon das eine oder andere Mal bis an die Grenzen gereizt zu haben… Nachdem wir im „Park Avenue“ eingezogen waren – keine Angst, so pompös war lediglich der Name und Inder haben eine Schwäche dafür, ihre Restaurants und Hotels nach mondänen Orten zu benennen, an denen sie noch nie gewesen sind, weshalb es ihnen auch keineswegs lächerlich erscheinen kann – machten wir uns auf die Suche nach einem Zahnarzt. Meine Angespanntheit ließ uns keine große Wahl und somit wollte ich mein Glück mit dem vom Hotel empfohlenen Dr. Daniel versuchen und die Sache so schnell wie möglich hinter mich zu bringen.
Leute, stellt Euch einen Zahnarztbesuch in Indien nicht wie zuhause im guten Deutschland vor. Nach Feststellen der Sachlage lag es an Daniel und mir, über den Preis meiner Krone, die mir eingebaut werden sollte, zu verhandeln. Ein Viehmarkt ist nichts dagegen und Dr. Daniel machte sich zunächst nicht besonders beliebt, erwies er sich doch trotz immer wieder in Szene gestellter Pseudo-Westlichkeit definitiv als Inder. Dass er und keinen Tee angeboten hat, um den Preis noch ein bisschen in die Höhe zu treiben, hat mich gewundert.
Letztendlich waren wir dann mit 5000 Rupien dabei – ca. 100 Euro für eine massive Vollkeramik-Krone, handgemeißelt in einem natürlich „best quality“-Labor! Natürlich für das Mädchen nur das Beste… Soweit so gut. Erst während der Behandlung wünschte ich mich sehr in die Obhut meines lieben Zahnarztes Herrn Pätzold in Köln zurück! Aber letztendlich ist die Krone drin und da bleibt sie nach fünf Zahnarztbesuchen hoffentlich auch ne Weile. Die Zeit zwischen den öden Behandlungen versüßten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes mit super-leckerem West-Kuchen im „Kashi Art-Café“ – eine Oase für alle, die der Indien-Realität für eine kurze Zeit entfliehen wollen (Fotos!).
Zwischendurch hatte ich Geburtstag.
Um die Zeit mit Watte im Mund so angenehm wie möglich zu gestalten, fuhren wir mit dem Bus nach Allepuzah, ca. 80km weiter südlich, das bekannt ist für seine traumhaften Backwaters. Tropischer geht’s nimmer! Die Landschaft ist gesäumt von Kanälen und Bananenplantagen soweit das Auge reicht! Tagsüber ist die Luft derart schwül und drückend, dass man denkt, den in ein paar Wochen einsetzenden Monsum schon spüren zu können. Einen kleinen Vorgeschmack erhielten wir eines Abends beim Abendessen. Auf dem Weg von unserem Zimmer bis unter eine Gartenlaube verlor Daniel in den Wassermassen seinen Schuh, der erst Stunden später mit Rückgang der Wassermassen an einem völlig anderen Ort wieder aufgefunden werden konnte!
Am Tag vor meinem Geburtstag mieteten wir zusammen mit einem Pärchen aus New York, die wir im Guesthouse kennengelernt hatten, ein Hausboot, auf dem wir übernachten wollten. Auf den Fotos könnt Ihr Euch am Luxus dieses Gefährts ergötzen: hinter dem Captain befand sich vorne auf dem Bug des Boots eine große Matraze, auf der wir uns in der Sonne aalten. Daran schloss ein überdachter Wohn- und Essbereich an, an dem uns Mittagessen, Abendessen und am nächsten Morgen auch ein Frühstück serviert wurde (das allerdings ein bisschen mager ausfiel für den verwöhnten europäischen Geschmack, na ja…). Dahinter befanden sich drei wunderschöne Schlafräume mit jeweils eigenem Badezimmer. Zum Sonnenuntergang ankerten wir in einem abgeschiedenen Bereich der Kanäle, von wo aus ich diese tollen Schnappschüsse machen konnte. Nach dem Abendessen entschieden Daniel und ich uns, die Nacht draußen auf dem Bug des Boots zu verbringen. Gut versorgt mit Anti-Moskito-Creme, Anti-Moskito-Räucherspiralen und einer dünnen Decke konnten wir ein tolles Schauspiel am Himmel beobachten: auf der einen Seite des Himmels bot sich uns die ganze Nacht ein etwas entferntes Gewitter, während wir auf der anderen Seite viele, viele Sternschnuppen bewundern konnten. Okay, für alle Nicht-Pärchen ist das jetzt vielleicht alles ein bisschen zu rosa, aber schön war es trotzdem. Da ja mein Geburtstag vor der Tür stand, wusste ich, dass Daniel mit den Kellnern irgendeinen Deal hatte, gab es doch ständig was zu flüstern und zu tuscheln… Schon beim Abendessen stellte sich heraus, dass er versucht hatte, mir eine Flasche heiß begehrten Weißwein zu organisieren. Die Kellner versicherten ihm, ihn besorgen zu können und kamen zurück mit einer Flasche Rotwein, die ungefähr einem portugiesischen Portwein entspricht. In Indien trinkt man halt keinen Alkohol und wenn, dann sicher keinen Weißwein! Und ich glaube, den Jungs hier ist der Unterschied auch nicht so sehr bewusst – macht doch alles breit!???
Nun gut, Portwein war auch nicht verkehrt und nach Wochen ohne Alkohol erzielte er recht schnell seine Wirkung…
Kurz vor zwölf verschwand Daniel dann wieder und stand plötzlich mit einem viereckigen, höchst kitschigen Geburtstagskuchen vor mir! Daneben lag auf einem Tablett eine Kokosnuss mit einem roten Geschenkband. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was mich erwartete, da wir eigentlich ausgemacht hatten, uns aus Rücksicht auf unser Reisebudget nichts zu schenken. Als ich die Nuss öffnete, befand sich darin ein Fluggutschein für zwei Personen auf die Andamanen!!! Ich konnte es kaum glauben. Viele Leute hatten uns bereits erzählt, dass diese Inseln im Indischen Ozean, die geographisch gesehen definitiv schon zu SO-Asien zählten, absolut traumhaft sein sollten. Da ich in den Tagen zuvor wirklich sehr von Indien und allem Terror, der sich ereignet hatte, genervt war, hatte Daniel heimlich die Tickets an die Traumstrände gebucht und ich war ihm sehr, sehr dankbar. Mein Nervenkostüm hatte sich nämlich seit meinem super-harten Semester, unserem Umzug und unserer Abreise noch nicht wirklich regeneriert und ich hatte es satt, ständig als exotisches Blondie stundenlang angestarrt und angelabert zu werden, zumal ich körperlich nicht in bester Verfassung war.
Jedenfalls war ihm diese Überraschung mehr als gelungen!
Am nächsten Tag fuhren wir mit einem kleinen Umweg zurück nach Kochin, wo ich endlich meine letzte Zahnbehandlung erhielt. Danach nahmen wir den Bus nach Erlakunam, der Stadtteil auf dem Festland, von wo aus wir nach Munnar weiterfahren wollten.

Hannah

2006/02/28

Hampi (28.2.2006)


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So, nach längerer Zeit mal wieder ein paar Zeilen aus dem Süden Indiens. Inzwischen befinden wir uns in Kochi, einer Millionenstadt an der südlichen Küste Keralas. Aber ich fange mal von vorne an: nachdem wir Goa verlassen haben, sind wir erst einmal ins Landesinnere aufgebrochen, um eine alte Tempelstadt namens Hampi zu erkunden. Mehrere unserer Bekannten haben bereits davon geschwärmt und somit wollten wir uns dies natürlich nicht entgehen lassen. Außerdem hatte ich das Eso-Getue in Goa ziemlich satt und war sehr gespannt auf ein Stück „echtes Indien“…
Von Arambol sind wir ca. 3 Stunden mit dem staatlichen Bus nach Margao gefahren. Dies ist so ziemlich der unspektakulärste Ort überhaupt, jedoch verkehrsmäßig Dreh- und Angelpunkt aller Reisenden und deshalb zumindest in dieser Hinsicht erwähnenswert. Dort haben wir die Nacht verbracht – Daniel am Rechner des Hoteliers (erster DSL-Anschluss überhaupt in Indien) und ich leider krank im Bett. Wir hatten schon Angst, unsere Zugtickets nach Hampi verfallen lassen zu müssen, aber dank der guten medizinischen Versorgung aus dem Hause Gilcher-Schlagwein war ich dann am nächsten Morgen doch wieder halbwegs fit und es konnte los gehen: nur 10 Std. Zugfahrt dieses Mal und wir waren in einem Ort namens Hospet, den ich im Verlauf der nächsten Tage noch einmal unfreiwillig aufsuchen sollte, aber dazu später.
Von dort ging es mit der Rikscha dann noch ca. 25 Minuten weiter in den historischen Ort Hampi Bazaar, wo wir nach einigem Hin und Her und starkem Verhandeln ein schönes und einigermaßen preiswertes Zimmer fanden.
Noch am ersten Abend haben wir uns den großen Tempel im Zentrum des Orts angeguckt. Schon der erste Eindruck war toll, wie Ihr auf den Fotos sehen könnt.
Am nächsten Tag hatten wir nach längerer Zeit mal wieder ein annehmbares kontinentales Frühstück in der „German Bakery“. Leider fiel mir auch in diesem Zusammenhang auf, dass mir ein ziemlich großes Stück meines Backenzahns fehlte. Ich entschloss mich eher schweren Herzens, einen indischen Dorf-Zahnarzt mitten in der Pampa aufzusuchen, allerdings blieb mir in diesem Moment wohl keine Wahl. Nach einem Telefonat mit der Touristeninformation fuhren wir mit einer Rikscha wieder zurück nach Hospet, um dort festzustellen, dass der Zahnarzt erst abends ab 18h Sprechstunde hatte. Nachdem der Arzt mir dann erklärte, dass mein Zahn in zwei Hälften zerbrochen war und dass das wohl nur mit einer Krone zu retten sei, bekam ich unter dem albernen Gekicher zweier so genannter Arzthelferinnen in bunten Saris eine provisorische Zementfüllung verpasst. Aus dem Behandlungsstuhl konnte ich zwischendurch ein paar Affen auf der Strasse beobachten. Alle inklusive bezahlte ich dann umgerechnet 3 Euro. Unser Rikschafahrer stand inzwischen auch schon mit einem Freund neben meinem Behandlungsstuhl und nutzte die Chance, den Arzt zwischen Tür und Angel auch noch mal schnell in seinen Mund schauen zu lassen. Da war vermutlich nichts mehr zu retten und auf gings wieder Richtung Hampi.
Erst am nächsten Tag hatten wir ausgiebig Gelegenheit, die Umgebung zu erkunden. Und die ist tatsächlich atemberaubend! Auf den Bildern könnt Ihr sehen, welch tolle alten Bauwerke und Tempelruinen dort einfach so in der Gegend herumstehen. Und alles ist so friedlich und für indische Verhältnisse echt ruhig. Da wir auf die Angebote der Rikschafahrer verzichteten („Viiiel zu weit! Viiiel zu heiss, um zu Fuß zu gehen…!“), hatten wir das Glück, die Tour per pedes erkunden zu können und das Landschaftsschauspiel, das wir zu sehen bekamen, war enorm! Hier und da trafen wir auf indische Pilger-Familien, die sich in der Nähe des Ortes versammelten, um am darauf folgenden Wochenende das alljährliche Shiva-Festival in den örtlichen Tempeln zu feiern. Sie badeten entweder sich selbst und wahlweise ihre Kinder oder Kleider im heiligen Nass des Flusses, der das Land hier in zwei Hälften teilt und somit eine witzige Überfahrt mit einem mehr oder weniger einladend aussehendem Boot ermöglicht. Andere Anwohner bieten auch eine Rundfahrt in besseren Wäschekörben, die mit Paddeln fortbewegt werden, an. Da es an diesem Abend schon dunkel wurde, konnten wir auf dieses Angebot dann leider nicht mehr zurückkommen.
Am nächsten Tag liehen wir uns Fahrräder, um die paar Kilometer in der Mittagshitze nicht zu bequem zurücklegen zu müssen. Dies war wohl nicht meine sportlichste Leistung – bereits nach dem ersten Hügel erschien mir diese Idee mehr als wahnwitzig und ich verfluchte alle Inder, die auf diesem Wege mit uns ein Geschäft gemacht hatten. Zum Glück bieten sich in den riesigen Palmenhainen entlang der Strassen ständig Gelegenheiten, nicht weiterstrampeln zu müssen und stattdessen lieber die eine oder andere Kokosnuss zu entleeren. Bevor wir die erste Sehenswürdigkeit erreichten, haben wir einem Farmer aus einem benachbarten Dorf zunächst einmal einen längeren Besuch abgestattet. Dieser Farmer lud uns dann zu unserer Überraschung ein, am nächsten Tag mit seiner Familie in seinem Haus zu Abend zu essen und das Shivafest zu feiern. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag für 17.30h.
Zunächst schauten wir uns jedoch noch die alten Elefantenstallungen und das Königinnenbad an – alle Bauten unterliegen einer tollen Synthese islamischer und hinduistischer Architektur! (Fotos)
Am nächsten Morgen ließen wir uns mit der ramponierten Fähre auf die andere Seite des Flusses bringen. Von dort aus überredeten wir einen Rikschafahrer, uns für einen fast lächerlichen Preis (dennoch ist die Fahrt eines Touris immer noch ein Segen des Himmels) zu einem nahe gelegenen Stausee zu fahren und uns dort nach 3 Std. wieder abzuholen. Nachdem ich die ersten drei Wochen ohne Sonnenbrand überlebt hatte, holte ich dort alles diesbezüglich Versäumte nach. Gut abgekühlt bzw. eingeheizt fuhren wir abends zu unserer Verabredung.
Als wir an der Bananenplantage unseres Gastgebers ankamen, waren wir natürlich gezwungen, den guten Geschmack seiner Früchte unter Beweis zu stellen, indem wir immer mehr davon entgegen nahmen und verdrückten. Alles andere hätte er vermutlich als Beleidigung empfunden, so dachten wir und aßen fleißig weiter. Vielleicht wunderte er sich aber auch nur, weshalb die Deutschen immer soviel essen… Er fragte, welche Früchte denn in Deutschland wüchsen. Als wir seine Fragen nach Bananen, Ananas und Papaya verneinen mussten, lächelte er zufrieden und blickte stolz auf sein Land – wieder einen Menschen glücklich gemacht. Ein Bekannter oder Verwandter – irgendwie sind hier alle miteinander Verwandt und viele sehen erschreckend gleich aus – sollte uns mit seinem Motorrad zu seinem Haus im nächsten Dorf bringen, wo uns seine Familie erwarte. Also fuhren wir entsprechend der indischen Gewohnheiten zu dritt auf einem Motorrad los. Ich saß hinten, Daniel wackelte in der Mitte, einen Kuchen in der rechten Hand balancierend, den wir als kleine Aufmerksamkeit für die Familie mitgebracht hatten und der bei unserer Ankunft keines Blickes gewürdigt wurde: deutscher Apfelkuchen – was soll denn das? (Und wie bitte soll man denn so etwas mit den Fingern essen?)
Im indischen Zuhause angekommen versammelte sich alles, ungefähr 15 Erwachsene und ca. 20 Kinder vor dem Fernseher, neben uns die Hauptattraktion des Abends. Die Familie war keineswegs arm. Neben einem großen Wohnraum, in dem neben dem Fernseher noch eine kleine Bank und zwei Stühle standen, gab es eine sehr große Küche und ein weiteres Zimmer, das vermutlich als Schlafzimmer diente. Viele Familien verfügen nur über ein einziges Zimmer, in dem alle zusammen auf ausgebreiteten Matten oder dünnen Matratzen schlafen. Ein großer Teil der Familie bewohnte die umliegenden Häuser, die sich sogar um einen kleinen hauseigenen Tempel gruppierten. Die Religion bestimmt hier in Indien ALLES. Man kann den Leuten auf dem Land nicht erklären, man glaube nicht an Gott. Also steht fest: Daniel und ich sind zutiefst katholisch und verheiratet. Kinder? Leider noch immer keine. Ja, ja, bald bestimmt (unten herum alles in Ordnung). Die besorgten Gesichter der Frauen streifen deutlich meinen Unterleib: klarer Fall – nix zu sehen.
Dann gibt es Essen. Bis dahin gaukelte mein betrübtes Hirn mir nostalgische Bilder einer fröhlich bunten Riesen-Familie an einem festlich gedeckten Tisch vor… Es dauert manchmal lang, sich von allen europäischen Gegebenheiten zu lösen. Ein paar Frauen trudelten aus der Küche in den Wohnraum und häuften geschäftig Essen auf drei Teller. Unser Gastgeber bat uns, uns zu ihm auf den Boden zu setzen. Essen bedeutet in Indien lediglich Nahrungsaufnahme und ist darüber hinaus nicht als kulturelles Ereignis anzusehen. Daraus ergibt sich, dass jeder für sich isst und dies meistens an einem versteckten Plätzchen, wo er seine Ruhe vor den anderen Familienmitgliedern hat. Also zerbrach meine verklärte Vorstellung schnell an der Realität einer Kultur, die sich oftmals als reiner Überlebenskampf heraustellt und ich setzte mich erwartungsvoll auf meinen Allerewertesten. Sobald mein Teller auch nur annähernd leer war, sprang ein weibliches Wesen mit einem Satz aus irgendeiner Ecke auf mich zu, um mich weiterhin zu mästen. Das Essen war sehr gut. Es gab Reis mit frittierten Chilischoten, eine scharfe Currysauce (was sonst!?), Joghurt und eine Art süßen Kuchen, der nach europäischen Essensregeln eher den Eindruck machte, er wäre aus Versehen in die Hauptspeise gefallen.
Beim besten Willen konnte ich meinen Teller nicht vollständig leeren – dachte ich. Aber die mahnende Gestik der Oma ließ mich in Gedanken das Frühstück des nächsten Morgens und dann auch das Mittagessen streichen.
Nach dem Essen durften wir das Haus und den Tempel besichtigen. An allen Wänden hingen Bilder der Götter gemischt mit den Fotos der Familienältesten. Die Wände waren bunt gestrichen und überall blätterte die Farbe. Aufgrund des jährlichen starken Monsums schimmelt Indien hier und da so vor sich hin. Das letzte Mal, dass ich eine solche Küche gesehen hatte, war auf Burg Eltz in der Eifel. Anerkennend schenkte ich den im Knien kochenden Frauen mein bestes Shiva-Day-Lächeln und kassierte dafür ein paar Kekse, die Daniel und ich daraufhin auch noch verdrücken mussten. Danach lächelte ich nicht mehr, sobald wir nur in die Nähe einer Küche kamen.
Den größten Alarm verursachte meine Kamera. Natürlich kennen die Leute eine Menge Kram aus dem Fernsehen, aber keiner von ihnen hat jemals eine Digi-Cam live und in Farbe gesehen. Und genauso gehen sie damit auch um, wenn man sie lässt. Ein einziges Mal habe ich versucht, ihnen zu zeigen, wie man ein Foto macht, aber tatsächlich fehlte es einfach an Feinmotorik, um die Kamera gleichzeitig auf das Objekt der jeweiligen Begierde zu richten und gleichzeitig aufs Knöpfen zu drücken – geschweige denn davon, einen Zoom zu betätigen. Nachdem ich ungefähr 1000 Fotos von der Uroma mit dem Uropa und der Tante mit dem Neffen, dem Vater mit der Tochter, der Tochter mit der Tante…geschossen hatte, neigte sich der Abend unter viel Händewinken und Gerufe dem Ende. Indien geht früh schlafen. Es war fast neun Uhr und wir verpassten gerade den letzten Bus. Als Beweis dafür, dass ein guter Hindu keinen Alkohol trinkt, erklärten uns ein paar völlig betrunkene Inder, dass wir eine Rikscha nehmen müssten,um zurück nach Hampi zu gelangen. Das taten wir dann auch. Wir umgerechnet 60Cent fuhren wir in die Nacht hinein und gelangten in den Tumult, den so eine Shiva-Nacht und ihre Pilger mit sich bringen. Der Haupttempel war erfüllt von Räucherstäbchen-Luft und den Schlafmatten der Tausende von Pilgern, die sich dicht an dicht auf dem Boden zur „Ruhe“ legten. Von allen Seiten wurden wir wieder belagert – Shiva war nichts dagegen! Schnell flüchteten wir uns in unser Guesthouse. Müde und völlig überfressen.
Zwei Tage später nahmen wir bei Sonnenaufgang eine Rikscha zum Bahnhof in Hospet. Von dort aus sollte es weitergehen nach Hubli, einer völlig unspektakulären Stadt mitten im Nichts. Erwähnenswert erscheint mir außer dem Gestank und dem Dreck am, im und um den Bahnhof herum nichts. Ein paar Bettelkinder gingen uns zudem schwer auf die Nerven (man kann nicht immer Mitleid haben). Nein, Hubli schnitt nicht gut ab und so nahmen wir schnell, schnell den nächsten Zug über Bangalore nach Kerala. Wir hatten Glück: der Zug war für indische Verhältnisse ungewöhnlich leer und wir hatten – dies war ein Nachtzug – die jeweils obersten Schlafpritschen des Abteils, die ein kleines bisschen mehr Privatsphäre vermitteln (Fotos). Unter uns schlief eine indische Familie, die uns zwischendurch mit Keksen fütterte. Wir hatten uns essenstechnisch auf die üblichen Zugverkäufer verlassen, die normalerweise in jedem indischen Zug laut grölend durch die Gänge laufen und einen beim Schlafen stören. Geschlafen haben wir bestens, aufgewacht sind wir mit einem Bärenhunger: die Strecke ist bei den Verkäufern aufgrund ihrer mangelnden Frequentierung unbeliebt und später stellte sich heraus, dass wir tatsächlich sogar gerade die letzte Fahrt auf dieser Strecke erlebten.
Am nächsten Mittag kamen wir in Ernakulam an. Mit einer Fähre setzten wir für umgerechnet 10Cent auf die Insel Fort Kochi über. Hier fanden wir schnell ein preiswertes Hotelzimmer und vor allem einen Zahnarzt, der sich hämisch grinsend und mit Dollarzeichen in seinen Augen über meinen Zahn hermachte. Die Tage in Kochi waren nicht besonders schön. Die Stadt ist nicht so unannehmbar wie andere Städte, aber es wollte nicht so recht gute Stimmung aufkommen und ich litt unter den verschiedenen Zahnbehandlungen auf indische Art und Weise. Mal wieder merkte ich, wie pingelisch europäisch ich bin. Die Apparatur machte keinen besonders ermutigenden Eindruck auf mich und im Wartezimmere stand groß und breit ein Agregat, da in Indien jeden Tag mindestens einmal der Strom für längere Zeit komplett ausfällt. Da ich erst in ein paar Tagen meine Krone eingesetzt bekommen sollte, machten wir uns schnell auf den Weg weiter Richtung Süden in einen Ort namens Allepuzah. Hier wollen wir ein paar Tage in den bekannten Backwaters verbringen. Für meinen Geburtstag haben wir ein fettes Hausboot inklusive Kapitän und Koch gemietet. Die Fotos seht Ihr demnächst hier auf dieser Seite!

Hannah

2006/02/21

Arambol (21.2.2006)


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Originally uploaded by schlagwein.

(eMail vom17.2.2006)

Hallo, Ihr Lieben!

Seit letztem Samstag sind wir im Norden Goas unterwegs.
Nach dem Schock Bombay ist dies hier geradezu das Paradies: alles supergrün, Palmenhaine, lange Strände, lauwarmes Meer, fröhliche Menschen und wir mittendrin…
Arambol ist der vorletzte Ort vor der Grenze Maharashtras und dementsprechend wenig ist hier auch los. –Allerdings macht Ihr Euch nun bestimmt falsche Vorstellungen, denn in einem indischen Ort bedeutet das lediglich, nicht von Abgasen eingehüllt und Betonbunkern zugestellt zu sein. Der Ort war vor ein paar Jahren nur ein kleines, unauffälliges Fischerdorf, das die Travellerszene gerade wohl durch diese Ruhe und Authentizität angelockt hat. Inzwischen ist Arambol DER Ort, wenn es um Öko-Dasein, Esotherik, Yoga, Reiki und Goa-Parties geht. Hier trifft sich im wörtlichen Sinne alle Welt und zelebriert – teilweise mit ernster Miene – das Hippiedasein oder was davon noch übrig ist…
Aufgrund dieses Multikulti und der Tatsache, dass hier in Goa nicht etwa der Hinduismus, sondern das Christentum im Vordergrund steht, hat man teilweise das Gefühl, man befinde sich nicht unweit Europas. Da Goa bis 1961 noch unter der Kolonialherrschaft Portugals stand, sind viele Relikte dieser Zeit wie zum Beispiel fast die gesamte Architektur inklusive vieler Barockkirchen, Straßennamen, Nachnamen, usw. übrig geblieben. Manche alten Omas sprechen angeblich sogar noch portugiesisch, ich selbst habe es aber außer bei einem Pfarrer in der Kathedrale Se in Goa Velha bisher nirgendwo gehört.
Jedenfalls gönnen wir uns hier am mit hohen Palmen gesäumten Strand von Arambol einen Badeurlaub bevor unsere Reise weitergehen soll.
Wir haben uns eine kleine Bambushütte auf Stelzen direkt am Strand gemietet. Darin befindet sich außer einem großen Bett ein Ventilator (tagsüber ist es im Moment bis zu ca. 38°C warm und es wird sehr bald noch viel heisser) und ein kleines Regal für unseren Kram. Das Klo (Westklo!) befindet sich im Garten der Familie, die die Hütte vermietet.
Meistens verbringen wir den Tag damit, im Meer zu baden, spazieren zu gehen, die Märkte zu besichtigen und gut essen zu gehen. Ein Essen für zwei Personen mit Getränken bekommt man hier schon ab ca. 1,50€.
Neben einem großen Hauptstrand, an dem sich alle Kneipen, Restaurants und Geschäfte, alle untergebracht in selbstgebastelten Bambusverschlägen, befinden, gibt es einen weiteren kleineren Strand, an dessen Rückseite sofort ein kleiner Süßwassersee anschließt. Dort waren wir bereits baden. Gestern sind wir um diesen See herumgeklettert und ca. 15 Minuten in den Urwald gelaufen bis wir an einem riesigen Baum ankamen, dessen Wurzeln ca. 1m in die Höhe standen und offensichtlich eine Behausung für einige Personen bildeten. Es gab eine Kochstelle, eine Schlaflager, einen Altar und jede Menge „Eso-Deko“. Die Leute hier sind sehr auf dem Esoterik-Film, so dass ich mir mit bösen Scherzen regelmäßig Luft verschaffen muss, gilt doch die Hälfte dieses ganzen Traras leider nur der Selbstdarstellung. Egal, Freaks gucken macht auch Spaß!
Wir sind dann noch ein bisschen weiter einen Hügel hinaufgeklettert und gelangten dann an einen noch unwirklicheren Ort, an dem anscheinend mehrere Leute in den Bäumen wohnten. Auf mehreren Bambusmatten, die um eine kleine Feuerstelle gruppiert waren (natürlich wurde hier Kräutertee zubereitet), saßen bunt gekleidete Leute aus England, Russland, Norwegen, Schweiz, Holland, Israel, Italien, Ostasien und mit uns dann auch aus Deutschland. Einige schienen nur wie wir „zu Besuch“ dort zu sein, während andere, wie sich im Gespräch herausstellte, tatsächlich für längere Zeit schon dort wohnten. Einem halbnackten Mann mit Bart und ner Menge Ketten um den Hals nahm ich das sofort ohne Fragen ab. Er war ganz und gar Guru, wie er im Buche steht. Auch das Mädel aus Norwegen mit einer pompösen Dreadlockfrisur gab sich alle Mühe, authentisch zu wirken, indem sie andächtig vor einem der geschmückten Altäre auf die Knie fiel und betete. Bei zwei Asiaten, deren Kommunikation im Wesentlichen aus Joint-Bauen, Joint-Rauchen und Trommeln bestand, hatte ich das Gefühl, sie waren schon ein bisschen zu lange auf ihrem Baum. Der Ort war jedoch tatsächlich traumhaft: Mitten im tropischen Wald, Geräusche wie bei Jane und Tarzan, alles geschmückt mit Blumengirlanden und Gebetsfahnen und viele bunte Hängematten…
Ihr kennt mich (fast) alle so gut, zu wissen, dass ich natürlich überlegt habe, ob ich mir das auch geben muss, um ein echter Reisender zu sein. Daniel und ich fanden das beide sehr interessant, sind aber beide anscheinend immer noch eigenständig genug, nicht völlig dem Sog des Dritte-Welt-Looks und dem dazugehörigen Tantra-Kurs im Urwald zu verfallen. Ich wäre bestimmt für ne Nacht oder zwei dort geblieben, aber das Gefühl, gemeinschaftlich einem Epizentrum der Esoterik zu erliegen, gefiel mir dann doch nicht mehr so gut… Letztendlich trägt unser gemeinsamer Horizont und ein gemütliches Essen zu zweit uns dannn vielleicht doch weiter als ein kiffender Guru in einem Baum…
Langsam schreit es wieder nach ein bisschen echter Kultur und wir verbringen viel Zeit mit der Planung unserer Weiterreise.
Wir bleiben jetzt noch ca. zwei Tage hier und züchten noch ein bißchen Bräune und in meinem Fall Sommersprossen. Danach geht es wohl weiter etwa zehn Stunden Bahnfahrt ins Landesinnere in eine alte Tempelstadt namens Hampi. Dieser Ort ist vielleicht mit den Anlagen Angkor Wats in Kambodscha zu vergleichen. Ich bin sehr gespannt!
Dort werden wir vielleicht eine Woche bleiben und am 26.2.2006 die Shiva-Nacht verbringen. Dann wird in Indien das bedeutendste hinduistische Fest gefeiert und alle machen die Nacht durch. Angeblich werden Touristen mit bunten Farbbeuteln beworfen – vielleicht gehen wir besser incognito mit angeklebtem Bart oder so…

Hannah

2006/02/09

Bombay (9.2.2006)


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Originally uploaded by schlagwein.
(eMail vom 8.2.2006)

Hallo liebe Freunde!

Seit gestern bin ich reich, sehr reich sogar.
Egal, welchen Lebensstandard man wo immer auf dieser Welt gewohnt ist, egal ob man reich und schön ist (Hallo Anna!;-)) oder arm wie eine Kirchenmaus – jeder von uns glaubt, eine gewisse Vorstellung zu haben, wie es wohl in der Dritten Welt abgeht…
Vergeßt all das! Vergeßt die Palmen am Strand! Streicht die Kokosnussverkäufer aus Euren Hirnen und, verdammt noch mal, denkt nicht einmal an einsame Fischerboote in idyllischen Häfen! Denn jetzt kommt Bombay! Mumbai nennen es die Inder. Mumbai ist ihr Paradies und ihre Hölle zugleich. 17 Millionen Einwohner, davon 2/3 ohne fliessendes Wasser oder Toilette, permanent hupende Autos von allen Seiten ohne Existenz einer einzig eingehaltenen Verkehrsregel, ebenso viele Verkäufer mit undefinierbaren Essensangeboten, Früchten, Nüssen, Hühnern, Hunden, Saris, Spielzeug, Blumengirlanden, die obligatorischen Sonnenbrillen, Gewürze, Schuhen und so weiter und so weiter…
Immer wird man angesprochen, immer ist man die Hauptattraktion des Geschehens. Manche wollen einem nur die Haare schneiden, einige wollen einen über einen Markt führen, wieder andere haben eine Schwester, die einen Freund hat, dessen Schwager Busreisen vermittelt, die die billigsten „in town“ sind…da hier leider nicht verhütet wird, existieren recht viele dieser Schwestern und folglich rennt man den ganzen Tag nur kopfschüttelnd durch die Stadt.
Kein Mensch kann sich vorstellen, was hier los ist, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Der Begriff „Terror“ erhält in den Strassen Bombays eine völlig neue Bedeutung und wir mittendrin!
Nach ca. 7,5 Std erwache ich über Süd-Pakistan aus meinem Ich-bin-im-Flieger- also schlafe-oder-esse-ich-Koma. Unter mir Sand und Steine, dann ein bisschen Meer und noch ein bisschen Sand, irgendwann eine Stadt – vermutlich Karachi, denke ich. Die Düse bringt ein Frühstück und einen Tee, der mich endlich richtig wach werden lässt. Nach einiger Zeit die ersten Bäume, die eine äußerst beruhigende Wirkung auf mich haben. Langsam setzen wir zur Landung an. Erwartungsvoll blicke ich aus dem Fenster und sehe ein Meer aus Wellblechhütten und Plastikcontainern, dicht an dicht, so weit man gucken kann, wo auch immer noch ein paar Meter Platz waren, haben sich die Menschen ein 2 x 2m-Heim aus Müllresten, alten Autos und vergammelten Holzbrettern gebaut. Darin „wohnen“ und schlafen ganze Familien. Diese Menschen schieben sich Körper an Körper durch schmale ungeteerte Gassen. Sie besitzen das, was sie am Leibe tragen.
Am Flughafen angekommen, teilen wir uns ein Taxi mit einem Paar aus Holland, Anke ist Deutsche und Roy ist een echte Kaaskop. Auch sie sind für ein Jahr unterwegs. Wir haben Glück: unser Taxi gibt nach einigen Kilometern mit einem lauten Knall den Geist auf. Nachdem zuvor ca. fünf Männer damit beschäftigt waren, unser Gepäck auf dem Dach festzubinden, müssen wir nun wieder alle Knoten lösen und „umsatteln“. Keines der anderen Taxis sieht vertrauenserweckend aus und man kommt nur durch die Strassen Bombays, wenn man eine laute Hupe besitzt. Es gibt keine Strassespuren und keine Autoschilder. Nur an den großen Kreuzungen erinnert sich der fleißig hupende und schreiende Fahrer an die Erfindung des Linksverkehrs, ansonsten fährt man eben, wo Platz ist. Nix für schwache Nerven!. Auf dem Weg in die „Innenstadt“ (eigentlich sind wir nach 2 Tagen noch immer nicht in den Kern vorgestoßen) bekommen wir die Slums näher zu sehen, als uns beinahe lieb ist. Ich würde es Euch gerne ersparen, aber nur die reine Wahrheit kann hier zumindest ansatzweise vermitteln, wo ich mich schon wieder rumtreibe… (Mama, Du überspringst am besten die nächsten Zeilen!) Die Strassenränder dienen hier jener Notewendigkeit des Lebens, die ohne Klo leider nur in hockender Position zu verrichten sind. Und da man davon ausgehen kann, dass dies den Menschen auch hier nicht unbedingt angenehm sein muss, schauen sie dabei nicht in unsere Richtung, das heißt, man bekommt tatsächlich eine Menge zu sehen…
Ich wusste, Indien ist sehr arm und chaotisch. Jedoch übertrifft dies hier all meine Vorstellungskraft. Nachts kann man nicht mehr auf den Bürgersteigen gehen, da dann dort die Nachtlager in Form von Mülltüten oder Stofffetzen ausgebreitet werden, auf denen die Ärmsten der Armen schlafen. Es sind die „Unberührbaren“, die unterste Kaste Indiens, die den Boden der Stadt pflastern, sobald es dunkel wird und die die Karen über die Strassen ziehen, wenn es hell ist. Sie arbeiten sehr hart für nur ein paar Rupien am Tag. Ein Lehrer verdient hier umgerechnet 60 Euro im Monat. Ihr könnt Euch vorstellen, mit wie viel Geld die Menschen der untersten Kaste auskommen müssen. Aufgrund ihres Glaubens sind sie der Ansicht, sie würden mit einem solchen Leben für ihre Fehler in einem vorherigen Leben bestraft.
Ich war nicht geschockt, wie man es sich nach diesen Beschreibungen vorstellen mag. Ich war einfach nur erstaunt, dass man so überhaupt leben kann.
Zu dieser Jahreszeit trifft man hier nicht so viele Weiße. Wir sind bisher nur am Bahnhof Victoria (so etwas Großes habe ich noch nie gesehen!!! Aber wunderschöne Kolonialarchitektur mit sehr klassizistischen Zügen und auch indischen und islamischen Zügen) auf ein paar typische Traveller gestoßen. Alle wollten nach Goa. Ein Ty aus Lomdon, einer aus Deutschland, den ich auch schon im Waldfrieden auf einer Goa-Party gesehen habe und ein Typ aus Frankreich. Frauen keine. Wahrscheinlich treffen wir uns bald alle in Goa, essen Pizza, hören Techno und erzählen uns gegenseitig, wie schön es in Europa ist… J
Was mich hier in Bombay noch hält, fragt Ihr Euch jetzt natürlich.
Zum ersten ist es so, dass ich mich schon nach einem einzigen Tag sehr an die neuen Verhaltensweisen und an das Chaos gewöhnt habe. Des weiteren ist es trotz allem sehr interessant, es ist einfach eine ganz andere Welt mit anderen Regeln und anderem Rhythmus und diese Welt möchte ich kennenlernen. Es macht tatsächlich auch Spass, über die bunten Basare zu gehen, die alten Kolonialvillen aus britischen Zeiten (die allerdings zum Teil sehr runtergekommen sind) zu betrachten und in den einheimischen Restaurants Speisen zu testen, die man vorher weder gesehen noch probiert hat. Bald werde ich mir einen bunten Hippierock kaufen, damit ich in meinen Cargohosen nicht mehr so auffalle. Was mir auch gefällt, ist die Art von Gespräch mit Menschen, die einfach keine Vorstellung vom Westen haben. Alle sind neugierig und fragen einen aus. Woher man kommt, wie es dort aussieht, natürlich auch, ob man verheiratet ist und Kinder hat, was man beruflich macht und wie die Eltern aussehen. Sollte einer von Euch bald mal nach Asien reisen, nehmt auf alle Fälle Fotos von zuhause und Euren Lieben mit – das kommt hier gut an.
Das Ungewöhnlichste ist uns ebenfalls am Bahnhof passiert. Ein Mann namens Syresh More, schätzungsweise ca. 40-45 Jahre alt, hat uns am Kaffeestand angesprochen und gefragt, woher wir kämen und wohin wir wollen. Zunächst waren wir eher zurückhaltend, da wir dachten, er wolle wie alle anderen ein Geschäft mit uns machen und hätte eine Schwester, die einen Bruder hat, der… Aber dieser Typ war unheimlich nett zu uns allen und von seinen Verhaltensweisen recht westlich veranlagt. Nachdem er sich ungefähr eine Stunde lang darum gekümmert hat, uns ein Ticket nach Goa zu besorgen (ich habe nie etwas Komplizierteres als ein Bahnticket in Indien zu kaufen erlebt!), wollte er unbedingt mit uns essen gehen. Also waren wir fest der Überzeugung, dass auch er in irgendeinmer Form etwas von uns wollte. Er hatte im Verlauf des Gesprächs immer wieder etwas vom Export von Diamanten erzählt. Daraufhin dachte ich, er wolle mit einem westlichen Kontakt das Problem der Steuer umgehen, indem er uns ein „gift“ mitgebe. Wir konnten uns dennoch locker machen und ließen uns von ihm zu einem Restaurant führen. Er steuerte die obere Etage an, die aufgrund von besserer Ausstattung und Klimaanlage immer deutlich teurer ist. Da wir jedoch auf „low budget“ auch für indische Verhältnisse angewiesen sind, um das Jahr zu überleben, weigerten wir uns, dort Platz zu nehmen. Es wäre immer noch viel viel billiger gewesen als in Deutschland, aber wir wollen unser Geld nicht unnötig verprassen. Außerdem ist es unten sehr viel indischer (mit Finger essen und so…) Also aßen wir unten. Das Essen war göttlich! Und wir der Meinung, nun unseren Führer einladen zu müssen. Der bestellte fleissig immer weiter und nötigte uns, alle möglichen Speisen zu probieren. Keinen Ahnung, was ich da alles gegessen habe, aber es schmeckte immer anders als alles, was ich zuvor kannte. Als wir die Rechnung bestellten, legte Syresh ein paar Scheine auf den Tisch. Er lud uns ein und ließ sich das auch nicht ausreden! Er gab uns auch noch seine Adresse und Telefonnummer, falls wir mal irgendwann Probleme in Indien haben sollten. Wir waren alle völlig erstaunt -. Syresh war einer der wenigen Wohlhabenden und genoß es anscheinend einfach, mit Westlern zu quatschen. Eine wirklich nette Begegnung. Fast alle Inder sind nett und auch hilfsbereit, nur manche kommen nicht klar mit ihrem Testosteron. Nätürlich gaffen sie einen alle an, je dümmer, desto mehr – wie überall auf dieser Welt. Und die Frauen finden meine Kleidung alle so seltsam, dass sie mich regelmäßig auslachen. Aber sie lachen nicht so, dass man sich doof fühlt. Sie sehen halt zum ersten Mal ne Blonde in ner Hose… Außerdem lachen Inder immer. Erinnert man sich an die Wellblechhütten, kann man sich als Westler nicht erklären, warum. Aber sie lachen.
Letztlich, und dies ist vermutlich der am wenigsten idealistische Grund, haben wir keinen Platz in einem der Züge, die uns Richtung Süden bringen, bekommen können. J Der nächste Zug mit freien Plätzen geht erst am Samstag morgen um 7h nach Goa. Bis dahin besichtigen wir noch Elephant-Island mit Tempeln von vor 1000 Jahren, Chowpatty Beach bei Nacht, der Ort, an dem „man“ sich nachts trifft, Malabar, das Villenviertel der Schönen und Reichen auf einem Hügel an der Küste und vielleicht noch ein paar Basare… Ich werde Euch davon berichten. Es kann ja nur besser werden. Bis dahin machen wir uns weiterhin locker und versuchen weiterhin, unseren Blick auf die schönen Seiten dieses Koloss von Stadt zu lenken.
Ich send Euch noch ein paar Fotos und schicke Euch somit einen Teil Indiens, der vermutlich am wenigsten indisch ist.
Auf die schönen Strandfotos müssen wir alle noch ein bißchen warten…
Denkt fleissig an mich! Ich denke hier ganz oft an Euch alle – bei jeder Situation an einen anderen von Euch. Ich kann mir immer ganz genau vorstellen, was jeder Einzelne von Euch in bestimmten Situationen denken oder sagen würde.

Ihr hört bald wieder von mir!

Ich drücke Euch alle!

Hannah

--

(eMail vom 9.2.2006)

Hallo Freunde!

Heute haben wir zum ersten Mal ein Stück Indien gesehen, wie man es sich vorstellt.
Nachdem wir gestern in ein billigeres Guesthouse am Gateway of India in Colaba gezogen sind und tatsächlich mal richtig ausgeschlafen haben, sind wir heute morgen mit einer ziemlich abenteuerlich erscheinenden Fähre zur Elephant Island gefahren, um dem Lärm und Smok der City mal für ein paar Stunden zu entkommen.Während der Fahrt lernten wir eine Familie aus Kashmir kennen, die unglaublich offen und nett zu uns war. Auf der Insel angekommen, konnte ich unseren Aufenthalt zum ersten Mal unter dem Gesichtspunkt „Urlaub“ verzeichnen. Wir saßen ganz allein (!!!) in einem Mini-Restaurant auf einem bewaldeten Hügel, der zu den vier Höhlentempeln aus dem 8. Jh. hinaufführt. Außer uns existierte noch ein Koch, der abwechselnd zwischen Küche und Terrasse hin- und hersprang, um unser Essen (das war soo scharf!) zuzubereiten und mit einer kleinen Steinschleuder die Horde von frechen Affen zu verscheuchen, die auf unser Essen und raschelnde Tüten aus war.
Danach haben wir uns die Höhlen angeschaut und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, tatsächlich in Indien zu sein. Es gibt natürlich noch weitaus prächtigere Höhlentempel in Indien, aber dennoch empfand ich die riesigen Anlagen gigantisch und sehr schön. Leider waren die Portugiesen im 17. Jh. so schlau, dort ihre Schießübungen abzuhalten, so dass nur noch sehr wenige Teile der Figuren ganz erhalten sind. Habe Euch auch diese Mal wieder ein paar Bilder mit in die Email gepackt, dieses Mal tatsächlich ein wenig spannender…
Außer einer Britin waren wir natürlich mal wieder die einzigen Westler und somit die Hauptattraktion besonders für indische Touristen und Schulklkassen aus dem nördlichen Gujarat, das im Vergleich zu Goa oder Rajastan kaum Ausländer kennt. Auf den Fotos seht Ihr, dass wir ständig von Familien und Schülern angesprochen wurden, um für ein Foto herzuhalten. Es war wirklich witzig und die Inder sind keineswegs kontaktscheu, wie man sieht. Einige mit guten Englischkenntnissen bemühten sich sehr, uns die verschiedenen Darstellungen der Tempel und ihren mythologischen Zusammenhang zu erläutern. Inder fragen nach nur wenigen Sätzen nach der Emailadresse. Das ist hier sehr beliebt und ich bin gespannt, ob das Interesse an einem westlichen Kontakt bis an den heimatlichen Computer währt. J Letztendlich stürzten sich die halbwüchsigen Jungs einer ganzen Schulklasse auf uns, um Autogramme von vermutlich in ihren Augen schräg aussehenden Deutschen zu ergattern. Als ihnen das Papier ausging, mußte ich auf ihren Händen unterschreiben. Die Mädels sind zurückhaltender und starren oder lachen einen permanent an. Wenn man zurücklacht oder sie anspricht (als Frau), schämen sie sich manchmal und sind schüchtern. Nachdem man uns von allen Seiten beäugt und fotorafiert hatte, richtete ich meine Kamera auf sie und erhielt unter lautem Gelache und Gekicher dieses farbenprächtige Foto.
Witzig, aber auch einbißchen gefährlich waren die Affen. Sobald man mit einer Tüte raschelte, mußte man sich tierisch in Acht nehmen. Wollte man sie nicht freiwillig verfüttern, rissen sie ihm alles potenziell Essbare aus den Hände – zur Not auch unter lauter Gewaltandrohung und Zähnefletschen. Gab man ihnen jedoch schnell und freiwillig etwas, verhielten sie sich ganz zahm und frassen aus der hingehaltenen Hand.
In der Abenddämmerung verließen wir die Insel und fuhren zurück Richtung Festland, dessen Horizont bald die unter einere schweren Dunstglocke liegende Skyline Bombays sichtbar werden ließ. Nachts ist diese vom Chowpatty-Beach aus gesehen noch imposanter, wirkt jedoch auch völlig surreal und im Vergleich zum altertümlichen Colaba wie eine andere Welt.
Nun sitze ich wieder in unserem Guesthouse, das doch sehr an die Bangkok-Szenen aus „The Beach“ erinnert. Nein, im Luxus leben wir hier natürlich nicht, aber es geht uns gut und wir freuen uns schon sehr auf den bevorstehenden Abhängurlaub in Goa…Den kann ich nämlich nach DEM Semester echt gebrauchen…
Ich hoffe, es geht Euch allen gut!
Melde mich bald wieder mit Kokosnusscocktail, Sonnenbrand und den aktuellen Neuigkeiten!

Liebe Grüße

Hannah

2006/02/06

Indien

WELTREISE