2006/05/15

Ko Pha-Ngan (15.5.2006)


DSCN5391
Originally uploaded by schlagwein.

Natürlich ist es uns höchst unangenehm, dass wir als erste Station das Möchte-gerne-Party-Paradies gewählt haben (wie durchschnittlich wir doch sind!). An dieser Stelle bin ich es Daniel wohl schuldig, zumindest kurz zu erwähnen, dass er sich nur meinetwegen auf diese Wahl eingelassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt schrie in mir alles nach einer guten Party und ich erhoffte mir, diese auf der doch so sehr dafür bekannten Insel zu finden. Nach drei abstinenten Monaten in Indien freute ich mich auf ein paar gekühlte Flaschen Wein und ein gediegenes Strandleben.
Danach, so versprach ich Daniel, würden wir umsiedeln auf ruhigeres Territorium in Form von einsamer Insel. Hoch und heilig versprochen!
Schon auf der Fähre war uns klar, dass wir den Altersdurchschnitt um einiges erhöhten (das war doch früher immer anders!!!). Der Durchschnitt lag wohl bei 22 Jahren und 2,5 Promille. Nun ja, wir trugen es mit Fassung und schaukelten als erstes Ko Samui entgegen, das in eine dicke Regenwolke gehüllt war. Herzlich willkommen!
Als wir auf Ko Pha-Ngan ankamen, war auch dort leider das Wetter nicht besser und auf dem Pick-Up, der uns zum auserwählten Strand bringen sollte, erlebten wir eine schöne tropische Dusche. Pitschnass erkundeten wir - weiterhin im Regen - den Strand und die Umgebung und entschieden uns spontan für einen anderen Ort. Zwar lag vor uns das schönste Korallenriff (sagte man), aber das Ressort erschien mir sehr ausgestorben (Regenzeit). Somit verschlug es uns nach längerem Hin und Her an eine etwas ruhigere Bucht nördlich von Hat Rin („Party-Central“) namens Hat Yuan. Da dieser Ort nicht mit dem Auto zu erreichen ist, mieteten wir ein Taxiboot (trotz eines Abzocke-Preises von 2 Euro pro Person). Dort angekommen kletterten wir über die wunderschönen Felsen, die die Bucht säumten, den Berg hinauf und suchten nach einer freien Bambushütte. Da die berühmt-berüchtigte Full-Moon-Party bevorstand, waren die etwas schöneren (und leichter erreichbaren, ich dachte dabei nur an das Ende der Party…) Hütten bereits vergeben und so bezogen wir die absolute Aussiedlerhütte hoch oben am Hang des letzten Ressorts, die dafür aber einen tollen Ausblick über die Bucht hatte. Für umgerechnet 3 Euro pro Nacht hatten wir eine Schlafpritsche mit Moskitonetz und eine Art Veranda mit Hängematte – alles war aus Bambus gemacht. Wir fühlten uns wie Robinson Crusoe und beschlossen, die nächsten Tage erst einmal dort zu verbringen. Am Fuße des Hangs befand sich ein sehr gutes Restaurant, das sich zu unserer Überraschung ab 22h zu einer Bar mit einem weitestgehend guten Musikgeschmack entpuppte. Dort fiel noch am gleichen Abend eine Horde betrunkener Kanadier ein, mit denen wir eine kleine Party feierten.
Schon am nächsten Tag sehnte ich mich ein bisschen nach etwas anspruchsvolleren Leuten, aber das behielt ich zunächst einmal für mich. J
Wir verbrachten mehrere Tage an den umliegenden Stränden, wobei die weiter im Norden liegenden Strände die empfehlenswerteren waren, da dort alles noch ein bisschen naturbelassener war und niemand baute. Leider leidet auch Thailand sehr unter dem Mallorca-Sydrom und an jedem schönem Strandabschnitt werden Touri-Bungalows hochgezogen (zumindest keine Wohn-Silos).
An einem Tag unternahmen wir eine Bootstour um die Insel, wo wir an einem der tollsten Riffs schnorcheln konnten. Zum Schluss besuchten wir noch einen kleinen Wasserfall und holten uns hunderte von Mückenstichen im Dschungel. Alles in allem war der Tag eine willkommene Abwechslung zu den übrigen faulen Strandtagen, an denen wir uns eine fette Bräune holten. (Mein Gott, sahen wir knackig aus!J)
Am Samstagabend war es dann soweit und wir bereiteten uns auf eine lange Nacht vor…
Mit Markus aus Deutschland, den wir im Ressort kennen lernten, machten wir uns auf den Weg ins Party-Getümmel. Schon vom Meer aus (wir mussten ja wieder mit dem Boot nach Hat Rin fahren) hörten wir laute Bässe und sahen die kleine Stadt unter Leuchtreklamen zusammenbrechen. Am Strand versammelten sich tausende von Partywütigen, alle bereit für die Nacht der Nächte…so sah es zumindest aus. Leider mussten wir feststellen, dass die einst so beliebte Party sich zu einem absolutem Touri- und Mainstream-Event entwickelt hatte. Besoffene Engländer rannten tatsächlich mit Eimern durch die Gegend, hübsche Prostituierte standen an jeder Ecke (wo bitte kommen die alle her auf so einer kleinen Insel???) und die verschiedenen Bässe der nebeneinander liegenden Lokale versuchten einander zu übertrumpfen, was zu einer völligen Übersteuerung der Anlagen führte. Dennoch gaben wir uns alle Mühe, unsere Party-Stimmung nicht unterkriegen zu lassen und suchten uns den fettesten Bass des Strandes, wo wir einige Stunden tanzten. Eine Zeit lang stiefelten wir mit einigen Thais aus Bangkok, die wir dort kennen lernten, umher, verloren sie aber wieder in den Menschenmassen. Um fünf Uhr morgens (schon!) fanden wir uns völlig fertig auf unserer Decke am Strand wieder. Daniel schlief schon mehrmals ein und ich hatte echte Mühe, ihn auf ein Boot und sicher in unsere Hütte zu kriegen. Demzufolge endete der angebrochene Tag im sinnlosen Nichtstun am Strand.
Das war die Full-Moon-Party auf Ko Pha-Ngan! Zumindest wissen wir nun, wovon alle immer so begeistert waren. Und wären unsere Kölner Feier-Jungs (Hallo Dragan! Hallo Tobi!) dabei gewesen, hätten wir mit Sicherheit nicht so schnell schlapp gemacht!
Nach dieser anstrengenden Aktion (wir waren echt nix mehr gewohnt!) wollten wir beide weg vom Party-Getümmel. Ich konnte nicht einmal mehr die Anwesenheit von Betrunkenen oder anderweitig berauschten Leuten ertragen und so buchten wir zwei Tickets auf die Insel Ko Tao, die ein Stück weiter im Norden liegt.

Hannah

2006/05/08

Bangkok (8.5.2006)


DSCN5202
Originally uploaded by schlagwein.

Schon am Flughafen Delhi hatten wir genügend Gelegenheit, uns an die bevorstehende Umgebung Südostasiens zu gewöhnen, checkten doch für den gleichen Thai-Airways-Flug nach Bangkok ca. 100 buddhistische Mönche vor unserer Nase ein… (Foto!)
Nachdem sich unser Flug um die in Indien offensichtlich üblichen 45 Minuten verspätet hatte, konnte es nun endlich losgehen! Zur Zeit unseres Abfluges hatte ich die Nase von Indien so was von gestrichen voll, dass ich es nun kaum mehr erwarten konnte, bald auf einer Luftmatratze im Inselparadies hin- und herzuschaukeln.
Als wir in Bangkok zur Landung ansetzten, erlebten wir zunächst einmal einen Kulturschock der etwas anderen Art: weit und breit waren keine Slums, kein Dreck, keine Kühe und auch keine anderen Katastrophen zu erblicken! Statt dessen gepflegte Strassen (man erinnere sich, wir kamen aus Indien), riesige Parkanlagen und ein makelloses Rollfeld. Verwirrt betraten wir das Flughafengebäude. Niemand bedrängte uns, in ein Taxi zu steigen, niemand zog an meinen Klamotten und keine Menschenseele interessierte sich dafür, in welchem Hotel wir absteigen würden. Es war erschütternd!
Auch vor dem Gebäude keine wartende Menschenmenge, keine seltsamen Gerüche, die auf Überbevölkerung hindeuteten und keinerlei Gefahr in Form von Tretminen. Fröhlich und höflich begrüßte uns die Dame am Ticketschalter für den Bus, der uns in die Innenstadt bringen sollte. Wir waren nun vollends misstrauisch. Pünktlich (!) erschien der mit einer Klimaanlage ausgestattete Bus und niemand fragte nach Trinkgeld oder behauptete, man müsse für jedes Gepäck einen Aufpreis zahlen.
Über einen gewaltigen Highway fuhren wir vorbei an futuristischen Hochhäusern und anderen gewaltigen Highways zur berüchtigten Khao San Road, dem Traveller-Treffpunkt der Welt und „Party Central“, wie unsere amerikanischen Mitreisenden sagen würden.
Völlig übermüdet machten wir uns auf die Suche nach einem preiswerten Guesthouse und wurden auf der gegenüberliegenden Seite der Khao San hinter dem Tempel fündig, zumindest für die ersten zwei Nächte.
Nachdem wir erst einmal richtig ausgeschlafen hatten, machten wir uns auf die Suche nach Essbarem und wurden auf der Khao San (wo soll es anders sein am ersten Tag?) schnell fündig. Nach einem Im-Stehen-Padthai und einem der berüchtigten Pancakes wären wir eigentlich perfekt fürs Shopping gewappnet gewesen, aber Daniel ermahnte mich mit bösem Blick: wir mussten stark auf unser Budget achten und hatten einen strengen Sparplan entworfen, dem nun auch ich zu folgen hatte. Wie ein Junkie lief ich in den nächsten Tagen an den tollen Klamottenläden vorbei. Dabei war doch alles sooo billig, eigentlich…
Jedoch muss ich zugeben, dass ich bereits am ersten Abend dann doch eine wunderschöne Halskette aus herrlich kitschigem Plastik abgestaubt hatte. Wir freundeten uns noch am ersten Abend mit den thailändischen Studis an, die ihre selbst gebastelten Schmuckstücke und T-Shirts auf der Strasse verkauften. Auf der Khao San trifft sich abends einfach alles: die Bangkoker Jugend, alle Touris von 5 bis 85, besoffene Engländer in Massen, Künstler, Musiker, Obstverkäufer, Marktverkäufer, Bar-Gänger aller Art, später die Prostituierten in Scharen und auch massenhaft Lady-Boys, die mindestens so einen atemberaubenden Hüftschwung drauf haben wie ihre Kolleginnen. Nach ein paar Bier in der Menge beschlossen wir, uns mit den Thais ins Bangkoker Nachtleben zu stürzen – auf ihre Art, auf Thai sozusagen. Sie stopften uns in ein Taxi und wir fuhren durch halb Bangkok (für umgerechnet 1 Euro) zu einer Art abendlichen Vergnügungspark mit mehreren Straßenrestaurants, ein paar Bars und einigen Großraumdiskotheken. Am Eingang einer dieser Diskos schallte uns der schlimmste Thaipop entgegen, zu dem die Hälfte aller dort Anwesenden mitzugrölen schien und eine Dame in kurzem Rock führte uns an „unseren Tisch“. Nix mit an der Bar anstehen und so! Von wegen! Für umgerechnet etwa 8 Euro schafften wir es, uns und auch unsere sechs Freunde völlig betrunken zu machen – wie machen die das? Man stellte uns direkt bei unserer Ankunft eine Flasche Thai-Whisky und ein paar Alibi-Colas auf den Tisch und los ging’s! Nach nur einer halben Stunde fanden Daniel und ich uns Arm in Arm mit den Thais wieder, Thai-Popsongs mitgrölend und nicht wirklich mehr Herr der Dinge. Am frühen Morgen schnappten wir uns alle ein Taxi und ließen uns zum Hotel zurück chauffieren. Nach ein paar Stunden Schlaf fühlten wir uns erstaunlich fit und hatten kaum einen hang-over zu beklagen… Am nächsten Tag packten wir unsere sieben Sachen und siedelten um in Donna’s Guesthouse, einer kleinen, aber feinen Pension auf der anderen Seite der Khao San (hinter Burger King). Hier war es sehr preiswert, sehr sauber und die Zimmer erschienen mit ihrem dunklen Holzboden weniger cheesy als alles andere, das wir gesehen hatten. Sehr zu empfehlen!!!
Den Rest des Tages verbrachten wir mit gutem Essen (Thai-Curry!!!) und einer langen Thai-Massage, die es gleich um die Ecke für 3,50 pro Std. gab – aahhhh!
Die nächsten Tage waren sehr schwül und wir mussten uns nach der trockenen Hitze Indiens tatsächlich erst einmal daran gewöhnen. Ich bin in den ersten Tagen in Bangkok wohl bestimmt viermal am Tag duschen gegangen – kein Scherz!
Wenn uns die Hitze und die Feuchtigkeit nicht umhaute, besuchten wir unter anderem den Tempel am Königspalast (Wat Phra Keow), den liegenden Buddha aus Gold im Wat Po (Wahnsinns-Wandmalereien!) und die Einkaufszentren am Siam Square, die wir mit einer Bootstour über die Klongs (Kanäle) erreichten. Ich hätte definitiv auf die letzten H&M-Einkäufe in Deutschland verzichten sollen! Ärger! Es war tatsächlich alles soo billig! Und nach fast drei Monaten in Öko-Klamotten-Indien war ich völlig ausgehungert, was Shopping angeht. Na ja, war wohl erst mal nur Gucken angesagt. Daniel hielt den Kostenplan immer sehr genau nach.
Im Großen und Ganzen kann man nicht behaupten, dass Bangkok eine besonders schöne Stadt ist. Sie verfügt außer der Tempel kaum über antike Bausubstanz und überall ragen die modernen Betontürme der durchschnittlichen asiatischen Stadt in die Höhe. Es gibt zudem kein richtiges Stadtzentrum, kein „Downtown“, wo man sich zum Kaffeetrinken oder dergleichen trifft wie in europäischen Städten. In der Nähe der Bahngleise und der Flüsse erstrecken sich gelegentlich einige Armenviertel mit eher notdürftig zusammengeschusterten Häusern, die aber nicht mal im Ansatz mit denen in Indien verglichen werden könnten. Bettler sieht man nur sehr wenige auf den Strassen und man hat das Gefühl, dass es in Thailand auch niemand so schlecht gehe, dass er auf der Strasse leben müsse. Das Leben findet hauptsächlich in den Strassen statt, was angesichts der hohen Luftverschmutzung Bangkoks (nicht zu vergleichen mit Delhi oder Kalkutta natürlich) eher fragwürdig erscheint. Trotz des Großstadt-Flairs wird auf der Strasse gekocht, gegrillt, gegessen, gelebt. Das Besondere für jeden Thailand-Reisenden wird wohl immer wieder die Art der Thais sein, dem Fremden in den meisten Fällen mit einem Lächeln oder einem Kompliment das Gefühl zu geben, er sei der begehrenswerteste Mensch auf Erden. Zwar mag der ein oder andere dies als oberflächlich bezeichnen (manchmal erlischt das Lächeln beim Abwenden und gefriert zu Stein, im Falle eines Nicht-Kaufs an einem der Straßenstände zum Beispiel), passt man sich jedoch diesen Gepflogenheiten an, wird man schnell feststellen, dass es sich auf diese Weise doch sehr viel leichter lebt und man die ein oder andere Schwierigkeit oder einen Konflikt auf diese Art und Weise besser meistern kann. Die Thais hassen laute Auseinandersetzungen und jede Form der Unhöflichkeit und so wird ein striktes „Nein“ doch hin und wieder mit einem verschmitzten Lächeln ausgedrückt. Wer es dann immer noch nicht begreift, ist es wirklich selber schuld!
Eine weitere angenehme Tatsache ist, dass die angegebenen Preise auf den Märkten, in den Läden und sogar in den großen Einkaufszentren nicht der Realität entsprechen und nur ein Dummer die gefragte Summe begleicht. Alles (!) ist Verhandlungssache und wenn man höflich, aber bestimmt (mit einem Lächeln und gerader Körperhaltung zum Beispiel…) bleibt, öffnen sich einige Türen, die zuvor mit Stahlseilen verriegelt waren. Im Schnitt kann man davon ausgehen, dass ein Drittel bis die Hälfte eines angegebenen Preises (besonders bei Tuk-Tuk-Fahrten) dem eigentlichen Kaufwert entspricht. Daniel ist ein faszinierender Händler und nach einigen Anfangsproblemen, die wohl auf Schüchternheit beruhten („…man kann doch nicht die armen Thais in den Ruin treiben…“), kann ich behaupten, in seine Fußstapfen getreten zu sein. Dennoch gilt: nicht unverschämt werden! Es bedarf einiges an Feingefühl, dem Gegenüber nicht auf die Füße zu treten. Fängt der Händler mit einem absurd hohen Preis an, kann man mit einem Augenzwinkern ebenfalls einen viel zu niedrigen Preis anbieten.
Nach einer Woche (man bleibt verflucht schnell kleben in dieser Stadt!) wollten wir nun doch endlich man los in den paradiesischen Süden des Landes und buchten – nach Indien völlig Party-ausgehungert – zwei Tickets per Bus und Boot auf die Insel Ko Pha-Ngan im thailändischen Golf.

Hannah

2006/05/01

Thailand

INDIEN/NEPAL (6.2.-1.5.2006)


India_map_mod
Originally uploaded by schlagwein.

Unsere Reiseroute seht ihr auf der Karte (Anfang in Bombay).

Hier noch ein paar Tipps, fuer andere Indien-Reisende:

Unser Favoriten:
1. Andaman Inseln
2. Hampi (Karnataka)
3. Varanasi
4. Jaisalmer (Rajasthan)
5. Backwaters (Kerala)

Guenstige Inlandsfluege (mit ansteigendem Preis):
Air Deccan
http://www.airdeccan.net/airdeccan/home.asp
Jet Airways
http://www.jetairways.com/
Kingfisher Airlines
http://www.flykingfisher.com/
Air Sahara
http://www.airsahara.net/s2v1/

Bahntickets lassen sich ueber das Netz reservieren und ausdrucken:

Indian Railway Booking
http://www.irctc.co.in/

man braucht nur die kryptischen Stationskuerzel dafuer:

Railway Stations in India
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_railway_stations_in_India
http://www.irctc.co.in/Popular_stations.html

Die Schlafwagen zweiter Klasse (2 SL Class) haben das beste Preis-Leistungsverhaeltnis.

Als Mobilfunkanbieter empfehle ich AIRTEL wegen landesweiter Verfuegbarkeit.

Rupien in Indien wechseln! (sowohl beim Ein- als auch beim Ausreisen guenstiger!)

Viel Erfolg! :)

Daniel

2006/04/30

Agra (30.4.2006)


DSCN5127
Originally uploaded by schlagwein.
Endlich war es dann soweit! Seit Kindertagen hat Daniel davon geträumt! Es schien, als wäre es das heilige Ziel unserer Reise! Das Taj Mahal!

Schon bei der Einfahrt in den Bahnhof Agra –Fort wird man mit Architektureindrücken nur so überhäuft! Eine vergleichbare Version des Roten Forts in Delhi ragte neben den Schienen empor.

Wir verstauten unser Gepäck im Cloak-Room des Bahnhofs und nahmen eine Rikscha zum touristischsten Ort ever!
Nachdem wir zahlreiche Möchte-gerne-Führer wie Fliegen und zum Teil unter Körpereinsatz abgeschüttelt hatten, reihten wir uns ein in die langen Schlangen (Männer und Frauen natürlich ganz brav voneinander getrennt), die zunächst durch einen Scurity-Check führten. Da Daniel dem Kontrolleur ein Zweierticket (für sich und seine „Frau“ natürlich) unter die Nase hielt, hatte ich Glück und wurde aus dem kreischenden und mich mit sonderlicher Neugier anstarrenden Haufen Weiber gerissen, um mit ihm zusammen eintreten zu können. Überraschenderweise waren die wenigsten Menschen Ausländer, das Bild war hauptsächlich geprägt von indischen Großfamilien.

Wir hatten uns offensichtlich den besten Tag für diese Besichtigung ausgesucht: es war nach Angaben der Zeitungen 46 Grad warm und weit und breit war kein Windlüftchen zu registrieren. Unsre T-Shirts waren innerhalb weniger Minuten von Schweiß durchnässt, da es auf dem Gelände des Tajs so gut wie keinen Schatten gibt. Dennoch war der Anblick toll! Und Daniel freute sich sehr, endlich einen seiner Höhepunkte der Reise verzeichnen zu können. Mit den Massen drängten wir uns dann in den Innenraum, der jedoch, obwohl er aus reinem Marmor bestand, keinerlei Kühlung vermittelte. Der Marmor war zu heiß, um sich darauf zu setzen. Toll Waren sie Marmor- und Edelstein-Intarsien und die schlanken Schriftzeichen der Koransuren, die sowohl das Äußere als auch das Innere des Gebäudes zierten. In der Mitte des Mausoleums befand sich der hoch verzierte Sarg der geliebten Frau des Maharajas, der dieses Weltwunder für sie erbauen ließ.

Auf dem Weg zum Ausgang erteilte mir dann ein Inder eine kleine Sittenlektion, da ich auf einer Parkbank meinen Schal für ein paar Minuten gelüftet hatte. Nachdem er und sein Freund mir reichlich in den (eigentlich nicht vorhandenen) Ausschnitt gestarrt hatten, wollten wir die beiden mit einem ironischen „Hallo!“ darauf aufmerksam machen, dass man das weder in Indien noch in Deutschland so mache. Daraufhin erklärte mir der Mann, er könne nichts dafür, da er es nicht gewohnt sei, dass eine Frau „nur“ mit T-Shirt und nicht mit Schal bekleidet sei. Ausserdem fände er Frauen bedeckt doch viel schöner! Warum schaut er dann nicht seine eigene Frau an!!!???

Abends nahmen wir den Zug Nach Delhi, checkten dort in unser Wongdhen-House im tibetischen Viertel (kein Geglotze!) ein und schliefen dem nächsten Tag entgegen, der uns Bangkok schon ein bisschen näher brachte. Am Abend nahmen wir ein Taxi zum Flughafen und stiegen zu meiner Belustigung mit einem ganzen Haufen freundlich lächelnder, in orange gekleideter Mönche in unser Flugzeug. Auf ging’s ins Land des Lächelns!

Hannah

2006/04/29

Jaipur (Pink City) (29.4.2006)


DSCN5058
Originally uploaded by schlagwein.
In Jaipur angekommen, war es gar nicht so leicht, ein einigermaßen annehmbares Zimmer für einen nicht völlig überzogenen Preis zu bekommen. Wir entschieden uns letztendlich, auf viel Anspruch zu verzichten und die Zeit des Suchens lieber in die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu investieren.
Die Stadt entpuppte sich als eine völlige Enttäuschung, eine typische indische Großstadt eben: Dreck, Müll, Lärm, Überbevölkerung, Armut, Touri-Abzocke…
Natürlich besuchten wir den Palast der Winde und auch den Stadtpalast. Über beide Bauwerke war ich jedoch ein wenig enttäuscht. Zum einen ließ die Renovierung der weltbekannten Bauwerke in meinen Augen stark zu wünschen übrig, zum anderen waren sie – freilich nach europäischer Sicht – nicht gebührend genug präsentiert und gingen im Trubel des städtischen Chaos unter. Die Renovierungsarbeiten innerhalb des Stadtpalastes waren in ihrer Farbwahl so kitschig und unpassend, dass es in den Augen teilweise weh tat. Toll dagegen waren jedoch die Pfauenbögen des Innenhofes, die wir per Kamera ausführlich dokumentiert haben.
Auch in Jaipur war es unerträglich heiß, so dass wir es nach ein paar Stunden vorzogen, den Rest der heißen Nachmittagsstunden zusammen mit der freundlichen Klimaanlage bei McDonalds zu verbringen. Es lebe das amerikanische Fastfood – manchmal muss es dann doch mal eben so sein, auch wenn man es natürlich nicht so gerne zugibt…ähäm.
Hier möchte ich jedoch trotzdem kurz die ungewöhnliche Auswahl beschreiben. Neben einem Maharaja-Burger, gibt es den ordinären McChicken (yummie!), den CrispyChicken, den ChickenCurry, den CurryChicken, den ChickenChicken oder auch wahlweise den IndianChicken… Eines war klar: in Thailand würde es ein leckeres, saftiges Rindersteak geben!!!
Danach habe ich Daniel tatsächlich noch überreden können, mit mir durch die superengen Stoffbasare zu rennen – ich hatte noch immer die fixe Idee, diesen einen bestimmten Sari zu finden. Und wenn ich etwas will, dann… Vermutlich haben sich die Verkäufer bei den Göttern bedankt, als ich endlich ihre Läden verlassen habe. Mehrmals habe ich die Läden zum „Preisvergleich“ mit der Konkurrenz verlassen, bin wieder zurück gekommen, habe zusammen mit Daniel ein unentschlossenes Gesicht aufgelegt, wieder die Farben verglichen, den Kopf geschüttelt, Tee getrunken – das ganze Drama, das zu einem ordentlichen indischen Einkauf dazu gehört, eben! Nachdem wir uns dann endlich zu einem Entschluss durchringen konnten, erzählte Daniel dem armen Verkäufer, er sei armer Student, habe kein Geld, eine gierige Frau (in dem Fall dann wohl ich), vier unterernährte Kinder großzuziehen usw. usw. …
Mit dem letzen Preis sind wir mal wieder gut davon gekommen – hier an dieser Stelle ein Jubel auf die Nebensaison!

Vielleicht hätten wir doch ein bisschen länger nach einem vernünftigen Zimmer suchen sollen, denn der sogenannte „Hotelmanager“ unseres Guesthouses entpuppte sich als schräger Weirdo, der uns ziemlich auf die Nerven ging, da er unbedingt unsere europäischen Zeitschriften, die wir ihm zum Lesen für den Tag geliehen hatten, behalten wollte. Als Daniel abends fragte, ob er denn seine Zeitungen bitte wieder haben könne, da er sie noch nicht gelesen habe, wurde der Typ wütend und fiel Daniel so lange auf den Wecker, bis er versprach, ihm die Zeitung per Post zukommen zu lassen. Äußerst merkwürdige Situation!

Am nächsten Morgen checkten wir in aller Frühe aus und nahmen den Zug nach Agra.

Hannah

2006/04/27

Udaipur (Lake City) (27.4.2006)


DSCN4988
Originally uploaded by schlagwein.
Am frühen Nachmittag kamen wir in Udaipur an. Ausnahmsweise war die Busfahrt einmal völlig unstressig. Die Landschaft veränderte sich auf den letzten Kilometern so stark, dass man das Gefühl hatte, ein neues Land zu erreichen. Nach den letzten von Hitze und Sand erfüllten Tagen in der Wüste Thar tat es gut, endlich wieder einmal ein paar Grünflächen, bewaldete Hügel und eine Seenlandschaft zu entdecken.
An einer Hauptstraße am Rande des Ortes wurden wir abgeladen und natürlich wieder zugleich von einem Schwarm Rikschafahrern bestürmt, in deren Augen wir vermutlich wieder nur wandelnde Brieftaschen waren.
Wir schauten uns zwei Hotels an und entschieden uns zum Schluss für eine leicht überteuerte Suite in einem schönen Hotel direkt am Seeufer. Denn was wäre Udaipur denn bitte ohne Seeblick? Wir hatten einen atemberaubenden Blick aus einem großen Erker unseres Havelis direkt auf den See und das gegenüberliegende Lake Palace Hotel, das, inmitten des Sees auf einer Insel erbaut, auf dem Wasser schwimmen zu schien.
Noch am gleichen Abend machten wir uns auf, den alten Stadtkern zu erkunden und in den vielen touristischen, aber schönen Läden zu stöbern. Besonders erfolgreich schien der Verkauf von Repliken der bekanntesten Miniaturgemälden aus den Palästen der Umgebung. Diese wurden überall in mehr oder weniger guter Ausführung an den Mann gebracht. Da einige wirklich ganz gut gelungen waren, entschlossen wir uns, in dieser Form ein kleines Souvenir mitzunehmen.
Leider ging es Daniel plötzlich überhaupt nicht gut und wir mussten relativ schnell ins Hotel zurück. Dort beklagte er sich (wie soll es anders sein?) über schlimme Bauchschmerzen und Übelkeit. Noch hatte ich die Hoffnung, er habe nur ein bisschen Magenprobleme durch zuviel Essen, aber in der Nacht bekam er Fieber und die üblichen Indien-Krankheits-Symptome. Unsere Fiebermittel und Antibiotika gegen die üblichen Kolibakterien griffen überhaupt nicht. Auch den Ganzen folgenden Tag blieb er reglos im Bett liegen, so dass ich bald einen Arzt rief. Dieser verschrieb einige andere Mittel und nach ein bis zwei Tagen ging es Daniel ein bisschen besser. Jetzt hatten wir aber endlich beide genug vom ewigen Kranksein und freuten uns sehr, bald den Weg nach Südostasien anzutreten, das hoffentlich weniger Bakterien- verseucht sein würde.
Leider haben wir die Zeit in Udaipur nicht besonders sinnvoll nutzen können, deshalb nahmen wir uns am letzten Tag genügend Zeit für den Stadtpalast und die städtischen Museen. Außerdem erstanden wir in einem der Miniaturläden zwei sehr schöne Bilder, die farblich uns stilistisch gut zusammen passten und nach langem Verhandeln wirklich äußerst preiswert waren. Der Verkäufer schien nicht besonders glücklich über den Deal, aber wir waren halt wild entschlossen, uns nicht abzocken zu lassen. Dafür gab es dann zum Schluss keinen Tee, aber das hielten wir ebenfalls für ein gutes Zeichen.
Inspiriert von den Dekorationen in den Palästen und Havelis wollte ich gerne noch ein paar alte Seidensaris als Vorhänge ergattern. In ein paar Stoffläden wurde ich dann auch fündig. Einige der alten Saris werden wohl nun in Deutschland ein wenig zweckentfremdet werden (es lebe die Emanzipation! J) und je nach Farbe zu Vorhängen und Kissenbezügen verarbeitet werden.
Da ich jedoch sehr genaue Vorstellungen der Farbkombinationen hatte, war ich dennoch nicht ganz zufrieden und wollte in Jaipur, unserer nächsten Station, noch ein weiteres Mal nach Beute Ausschau halten. Abends machten wir uns dann schwer beladen auf zum Bahnhof, um den Nachtzug zu nehmen.

Hannah

2006/04/24

Jodhpur (Blue City) (24.4.2006)


DSCN4845
Originally uploaded by schlagwein.
Von Jaisalmer nahmen wir den Nachtzug nach Jodhpur, wo wir bereits in den (sehr) frühen Morgenstunden in unserem Guesthouse auftauchten und die Angestellten aus dem Bett klingelten. Da unser Zimmer noch nicht frei war, wir jedoch dringend noch ein bisschen Nachtruhe benötigten, riet man uns, doch im Open-Air-Restaurant auf dem Boden ( die typischen indischen Sitzkissen) zu schlafen, was wir dann auch taten.
Nach einigen Stunden wachten wir durch die zunehmende Hitze und die ersten Gäste, die zum Frühstücken auf die Terrasse kamen, auf. Wir genehmigten uns ein westliches Frühstück und einen starken Kaffee, bevor wir unser Zimmer, die so genannte Maharaja-Suite, bezogen. Tatsächlich hatte sich die indische Familie ein bisschen Mühe mit dem Zimmer gegeben. An den Fenstern hingen lange im Wind flatternde Vorhänge, im Erker des Zimmers stand ein Lesesessel, in einem weiteren lagen mehrere Sitzkissen ganz im Orientstil. Dennoch erschien uns das riesige 50er Jahre-Bett mit eingebauten Spiegeln und Bartischchen nicht ganz stilecht, na ja…. J
Entgegen unseren inneren Schweinehunden machten wir uns dann auch relativ schnell auf, die Umgebung zu erkunden und das riesengroße Fort, das wie ein gerade gelandetes UFO über der Stadt herausragte, zu erklimmen. Mittagshitze (ca. 42 Grad) und Unausgeschlafenheit machten uns ein wenig zu schaffen, dennoch war der Aufstieg alle Mühe wert. Im Inneren des alten Fort erwartete uns ein wunderbares Museum, das die Geschichte der Stadt toll vermittelte und wunderschöne Miniaturgemälde der Mogulzeit bereithielt. Wir blieben fast vier Stunden dort und wanderten trotz der Hitze nach einem kleinen Snack noch auf die andere Seite der Anlage, um einen Hindutempel, der auf den hohen Felsen erbaut war, zu bestaunen. Leider war der Stein unter unseren Füssen so heiß, dass wir den Tempel nicht betreten konnten (Schuhe muss man ja ausziehen, bevor man den Tempel betritt).
Danach wollten wir die Innenstadt erkunden. Leider war in dieser Stadt aber jeder so dermaßen unfreundlich, dass uns schnell die Lust daran verging. Außerdem wurde ich, sobald Daniel mir auch nur für ein paar Sekunden den Rücken zukehrte, von allen Seiten dumm angemacht und angetatscht, obwohl ich trotz der sengenden Hitze mit Schal herumlief…diese blöden Typen haben mir dann leider den Tag verdorben und auch die Lust auf ihre Stadt. An uns konnte dann wohl nur noch die Busgesellschaft was verdienen - wir fuhren weiter nach Udaipur.

Hannah

2006/04/23

Jaisalmer (Golden City) (23.4.2006)


DSCN4710
Originally uploaded by schlagwein.
Im Zug nach Jaisalmer lernten wir eine Menge Inder kennen, unter anderem ein munteres Mädchen aus einer Familie, die halb in Gujarat und halb in Jaisalmer lebt… Sie fragte uns nach dem Leben im Westen aus und war vor allem an spannenden Themen wie „boy/girl friends“ und „love marriages“ interessiert. Sie nahm uns mit zum Rest der Familie, die gerade für einen der Söhne seine Braut aus „UP“ (Uttar Pradesh, die Region um Delhi, ohne Delhi selbst) abgeholt hatten und zur Hochzeitsfeier nach Jaisalmer zurückfuhren. Natürlich handelte es sich um eine „arranged marriage“: die beiden kannten sich vor der Hochzeit nicht. Erwartungsgemäß kann so was ja nach hinten losgehen: auf jeden Fall hatte sie nicht gerade einen Schönling erwischt. Unsere kleine Freundin betonte, dass für sie nur eine Liebesheirat in Frage komme – das müsse sie nur noch bei ihren Eltern durchsetzen. Viel Glück dabei! Die Familie war überraus interessiert und lud uns zur Hochzeitsfeier ein (wir konnten aber wegen unseres arg gerafften Reise-Zeitplans nicht so lange in Jaisalmer bleiben).
Jaisalmer ist eine kleine aber jahrhundertealte und traumhafte Festungsstadt in der Wüste. Schon auf dem Weg dahin begegnet man unzähligen Kamelen, die hier noch das bevorzugte Transportmittel sind. Wenn sich schließlich Jaisalmer Fort vor dem Himmel abzeichnet, fühlt man sich in ein orientalisches Märchen versetzt. Das Fort ist das einzige in Indien, das noch komplett bewohnt ist und damit eine Art lebenden Museums darstellt. Wir zogen in das kleine, aber wunderschöne Hotel Killa Bahwan ein, das in einem der Wachtürme über den drei Toren untergebracht ist.
Abgesehen von Fort selbst sind in Jaisalmer vor allem der Palast, die Jain-Tempel (die Jains sind eine weit verteilte religiöse Minderheit in Indien) und die alten Havelis in der Altstadt sehenswert. Die Havelis, vor allem durch ihre mit Steinmetzarbeiten, die fast wie Holzschnitzereien aussehen, bekannt, sind die sehr repräsentativne Häuser der reichen Kaufmänner aus der Kriegerkaste der Rajputen (Rajasthan = Land der Rajputen). Die Havelis sind überaus schöne Gebäude und einige der besten davon sind in der Altstadt von Jaisalmer verteilt. Wir waren schwer beeindruckt. Hannah musste leider auf die schmerzhafte Art feststellen, dass allerdings auch in den pompösen Häusern die Türhöhe nicht gerade besonders hoch ist: sie knockte sich kurzzeitig an einem der Durchgänge selbst aus.
Beliebte Touristenattraktionen außerhalb von Jaisalmer sind die Sanddünen der Wüste als Sonnenuntergangsort und natürlich die Kamel-Safaris aller Art. Wir kombinierten beides und ritten auf Kamelen zu den Sanddünen ca. 30 Kilometer vor Jaisalmer. Auch wenn die „hot season“ als no-go für Rajasthan gilt: es ist zwar wirklich sehr heiß – aber wenigstens begegnet man dann in der „einsamen“ Wüste nicht andauernd anderen Touristen. So waren wir mit unseren beiden Kameltreibern und unseren Dromedar-Wüstenschiffen „Rocket“ und „Michael Jackson“ (irgendwie waren die Namen ethnologisch gesehen nicht ganz befriedigend, aber…) dann zumindest bis zu den Sanddünen alleine. Dort wurden aber dann Horden von indischen Touristen mit Jeeps hingekarrt, die dann auch alle in den Genuß eines Kamelritts kamen (vom Parkplatz bis auf die Düne rauf)… Naja, ein einsamer Sonnenuntergang war es nicht, aber trotzdem schön.
In Jaisalmer wären wir gerne noch länger geblieben – aber unser Zeitplan drängte uns weiter.
Nachdem unsere Riskshaw auf dem Weg zum Bahnhof zum großen Kummer unseres Fahrers ihr 2-Tackter-Leben aushauchte erreichten wir dennoch noch rechtzeitig den Nachtzug nach Jodhpur. Leider machte der Zug etliche Zwischenstopps und war mit ziemlich angeheiterten Sikhs bevölkert, so dass wir in den sowieso knapp bemessenen 6 Stunden nicht wirklich viel Schlaf fanden. Hannah bat den Schaffner (hier TC = Ticket Collector), doch noch eine Extrarunde einzulegen… Merken: in Indien immer mindestens 10 Stunden Zug am Stück fahren.

Daniel

2006/04/21

Delhi (21.4.2006)


DSCN4502
Originally uploaded by schlagwein.


Am recht poschen Airport wurden wir in unserem Pre-Paid-Taxi direkt schon mal von einem Comission Guy in Empfang genommen. Er hatte Hannah gefragt, ob sie das erste Mal in Delhi sei und sich dann selbst zum Beifahrer in unserem Taxi gembacht. Es geht immer um dasselbe: Erstbesucher von ihrem Hotel ab- und in einem Komission zahlenden Hotel unterbringen. Oft sind Hotels „closed“ oder es sind „riots“ in der Gegend. Seine Masche und der neuste Trick: Besuchern wird vorgegaukelt, dass der Taxifahrer das Hotel nicht kennt, sie halten bei einer „Tourist Information“, wo man das Hotel anruft um festzustellen, dass das Zimmer doppelt gebucht ist – ein neues Hotel ist aber zum Glück schnell gefunden. Alles getürkt natürlich... Welcome back to India. Mit indischem Handy, aufgeschriebener Taxinummer und deutlichem Hinweis auf die „Tourist Police“ (die ist für so was zuständig) verzichten die beiden dann aber doch auf Zwischenstopps und es viel Ihnen wieder ein, wo das Wongdhen House in Manju-ta-killa ist.


Das Wongdhen erwies sich als gute Wahl, denn es war sauber und freundlich wie kaum ein anderes Hotel, dass wir bis dahin hatten (und das für 225 Rupien, 4 EUR). Bei Manju-ta-killa handelt es sich um eine tibetische Enklave – gegründet nach dem Völkermord und der Massenflucht die die Chinesen in Tibet anrichteten. Free Tibet werden wir wohl nicht mehr erleben – zu wünschen wäre es aber diesem Volk.
Hannah wurde leider krank, dadurch blieben wird länger in Delhi als geplant. Dehli ist im Zentrum wesentlich „westlicher“ als die anderen indischen Städte: es gibt McDonalds, KFC und Pizza Hut sowie Monostores von Adidas und anderen Westmarken. Direkt unter diesen Läden aber brodelt der unterirdische Palika Bazaar, wo um gefälschte T-Shirts und Düfte, Elektronik jeder Art und so ziemlich alles erdenklich andere gefeilscht wird. Insgesamt ist Dehli eine sehr toughe Stadt: ganz so wie man es von der indischen Hauptstadt erwartet. New und Old Dehli sind übringens nicht zwei getrennte Städte, sondern eher zwei Zentren innerhalb derselben Stadt (vergleichbar mit Berlin, nur halt 5mal so gross und dreckig).


Klassische Sehenswürdigkeiten sind in Delhi das „Rote Fort“, dessen Besitz jahrhundertelang den Herrschaftsanspruch über (Nord-)Indien manifestierte. Zudem gibt es mit der Jama Masijd die größte Moschee Indiens in Delhi. Wegen des Bombenanschlags auf die Gläubigen am zweiten Tag unseres Besuches verzichteten wir aber auf den Innenraum. Wir sahen und die National Gallery (sehenswert) und das National Museum (etwas angestaubt) an und besorgten auf dem besagten Palika Bazaar eine neue Kamera, da die alte einen kleinen Wassereinbruch aus meiner Wasserflasche nicht überstanden hatte.


Überflüssiges Gepäck schickten wir von der Post aus. Die Post in einer knappen halben Stunde schliessen würde war natürlich der Gepäckschalter schon geschlossen („nine to five“ ist in Indien eher „ten to four“) – und außerdem war unser Paket noch gar nicht eingenäht. Mit ein wenig Bakschisch, Schmiergeld, ging es aber dann doch noch. Das war unsere einzige Gelegenheit ein wenig von der berühmt-berüchtigten indischen Schmiere zu zahlen (in diesem Fall 3 EUR). Den Sinn des Einnähnes (alle indischen Pakete werden verpflichtend in weißes Leinen eingenäht) konnten uns aber auch diesmal die plötzlich sehr hilfsbereiten Postbeamten nicht erklären: immerhin wussten sie, dass in anderen Länder Pakete nicht eingenäht werden. Dieselbe Frage rief auf dem Land meist ungläubiges Entsetzen vor (man stellte sich das nur einmal vor: NICHT-eingenähte Pakete… auf solche Ideen können auch auch nur Westler mit halbangezogenen Weibsbildern (ohne Sari) kommen). Die beste Antwort, die wir erhielten war ein etwas unspezifisches, aber mit breiter Überzeugung vorgetragenes „for security reasons“. Überzeugt nicht ganz, wir glauben eher an kulturell verankerte ABMs.


Nach langem hin- und herüberlegen, prüfen der Flugpreise und Telefonaten mit Wagma und verschiedenen Botschaften entschieden wir uns schließlich gegen die ursprünglich angedachte Überlandroute durch Pakistan nach Kabul (was uns angesichts der sicherheitspolitischen Situation von praktisch allen dringend geraten wurde) und für einen Direktflug nach Bangkok.


Vorher wollten wir uns aber noch Agra und Rajasthan ansehen – die klassischen Reiseziele in Indien. Nachdem wir einen Zug einfach verschliefen (wir entschieden uns entgegen des Weckers um 4.30h spontan doch noch weiter zu schlafen…) und am nächsten Tag das Taj Mahal in Agra geschlossen war, beschlossen wir, Rajasthan von hinten aufzurollen und den Jaisalmer-Express zu nehmen, der uns in einer langen Fahrt den äußerten Westen Indiens, an die pakistanische Grenze und an den Rand der Wüste Thar bringen sollte. Fast hätten wir auch diesen Zug verpasst: nachdem wir bereits mittags unser Gepäck im Hauptbahnhof „New Dehli Train Station“ (eigentlich aber in der Old City gelegen und der Bahnhof, wo fast alle touristischen Fernziele angefahren werden) aufgegeben und noch in Seelenruhe eingekauft und gegessen hatten und uns auch noch eine konkrete Plattform für den Zug genannt wurde, waren wir dann doch etwas geschockt, als wir 20 Minuten vor Abfahrtszeit dann erfuhren, dass wir am falschen Bahnhof warteten. Die Abkürzung DEL muss noch lange nicht Dehli Hauptbahnhof bedeuten. Wäre schlau gewesen, wenn uns das die Ticketverkäufer von „Tourist Quota Counter“ oder die Leute von der Gepäckaufbewahrung gesagt hätten – aber gut: 19.59 Minuten und eine halsbrecherische Rickshawfahrt plus einen Spurt mit „nur noch“ 45kg Gepäck einmal quer über die -tata- „Old Dehli Train Station“ sprangen in der sprichwörtlich letzten Sekunde und nur dank der eines aufmerksamen Mitreisenden auf den schon anrollenden Zug auf (Hannah verwettete schon Leib und Leben darauf, dass wir es nicht mehr schaffen würden)… Das richtige Work-Out vor 19 Stunden Zugfahrt.



Daniel

2006/04/14

Kathmandu (14.4.2006)


PICT4388
Originally uploaded by schlagwein.

Nachdem wir in Varanasi weder aus indischen (Reisebüro, Traveller, Zeitung…) noch unseren deutschen Quellen (Freunde, spiegel.de, auswaertigesamt.de…) irgendetwas von einem bevorstehenden Generalstreik in Nepal gehört hatten, kamen wir nach einer Nachtfahrt mit der überfüllten Bahn und weiteren 3 Stunden mit dem Minibus wild entschlossen an der nepalesischen Grenze bei Sunauli an – um dann festzustellen, dass keine Busse ins Landesinnere fuhren. Da der 4-Tage-Generalstreik am nächsten Tag beginnen und den Busfahrern die Rückfahrt aus Kathmandu unmöglich machen würde, hatten sie bereits am Morgen den Betrieb von der Grenze eingestellt. Die Grenzbeamten konnten uns nicht sagen, ob wir eine Möglichkeit finden würden, nach Kathmandu zu kommen und boten uns an, die Lage erstmal ohne Visum (immerhin 30$ pro Nase) zu sondieren, und uns die Rückkehr nach Indien offen zu halten. Sehr nett von ihnen, aber auch nicht gerade viel versprechend.

Wir gingen unsere Optionen durch, soweit uns die auch hier anzutreffenden „Comission Guys“, die uns Jeeps vermitteln wollten, Ruhe dazu ließen (gestrandete Touristen mit Kreditkarte sind aber auch zu verlockend!). Es fuhr noch ein Bus nach Pokhara, dem zweiten Touristenziel in Nepal, den unsere zwei im Bus kennen gelernten Japaner nahmen. Da wollten wir aber nicht hin und hätten dann wohl nicht die Möglichkeit, in den nächsten 4 Tagen nach Kathmandu zu kommen. Gerüchteweise sollten noch im nächst größeren Ort Busse fahren – Hannah legte aber Veto dagegen ein: sollte der Bus langsam vorankommen würde er Kathmandu vielleicht nicht vor der nächtlichen Ausgangssperre (23-4h) erreichen – was dann fünf Stunden zusätzlich am Straßenrand bedeutet hätte. Hannah schlug vor, stattdessen tatsächlich einen Jeep zu nehmen – schneller als der Bus. Das war mir wiederum nicht so recht: der Jeep war zwar schneller, aber dennoch vor Straßensperren und Maoisten-Gefechten nicht sicher – und das zum 2/3-Preis des Fluges. Ich liebäugelte daher sowieso schon mit der Propellermaschine, als wir nach etlichen Telefonaten schließlich eine Absage vom potentiellen Fahrer bekamen: er wollte ebenfalls nicht in Kathmandu stranden. Da wir beide aber auch nicht nach Indien zurück wollten, fanden wir uns letzten Endes und zu unserer eigenen Überraschung am 10 km entfernten, winzigen „Buddha Airport“ von Lumbini (Geburtsort von Buddha) in einer Propellermaschine von „Cosmic Airways“ wieder. Der Flug war ziemlich wackelig und ging durch spektakuläre (Wolken-)Berge. So etwas wie ein Phantasialand-Ride – nur „in echt“.

In Kathmandu angekommen empfing uns unser Hotelmanager mit hochgehaltenem Namensschild… na, für 4 Euro die Nacht ist ja ein persönliches Abholen der Gäste am Flughafen wohl auch das Mindeste. Im Reiseführer als „durch Verkehrschaos, Lärm und Dreck schockierend“ beschriebene Kathmandu erwies sich für uns als relativ geordnet und tranquil. Der Autor kam wohl nicht aus Indien. Das etwas cheesige, aber gut ausgestattete „Blue Horizon Hotel“ (Hot!! Shower, TV, Telefon) erwartete uns für die erste Nacht – und wurde dann unabsichtlich zu unserer Heimstätte für die nächsten acht Nächte. Wir waren froh über Fernsehen (wer uns kennt, weiß wie ungewöhnlich das ist!): CNN, BBC, Deutsche Welle TV, Discovery Channel, HBO, Star Movies… Wie schön kann doch Kulturimperialismus sein – wir entschieden uns für die James-Bond-Night auf Star Movies und gingen nicht mehr vor die Tür.

Im Lauf der Tage erfuhren wir dann letztlich doch ziemlich genau, was in Nepal politisch so los ist – und ich gebe hier mal einen Abriss über die Situation:
Der König scheint ein ziemliches ignorantes und machtgieriges, Royalisten mögen mir verzeihen, Arsch zu sein. Er hat die 1992 gewährte und in der Verfassung verankerte konstitutionelle Monarchie im Februar 2005 wieder in eine absolute Monarchie umgewandelt und sich selbst zum Premierminister ernannt und regiert das Land durch seinen Oberbefehl über die Armee als De-facto-Militärdiktator. „Königreich“ klingt romantischer, als es ist. Niemand in Nepal, den wir getroffen haben, konnte den König leiden oder hatte auch nur eine neutrale Einstellung. Seit einem Jahr bemühten sich die demokratischen Kräfte also schon um die Wiederherstellung der Demokratie.
Abgesehen von diesem Konflikt liefert sich die Armee seit 2001 immer wieder Gefechte mit den Maoisten, die aus der drückenden Armut heraus einen Rebellenaufstand begonnen haben. Sie haben etwa die halbe Landesfläche unter Kontrolle. Sie fordern einen Ein-Parteien-Staat, Landreform und orientieren sich chinesischen Kommunismus. Wie man immer noch im vollen Idealismus für die Einführung des Kommunismus kämpfen kann, entzieht sich meinem Fassungsvermögen. Wenigstens kann man hier Ungebildetheit und verzweifelte Lage attestieren. Na ja, die gut-gemeinte bis gefährliche Utopie des Kommunismus ist eine andere Geschichte und ich will jetzt meine Meinung darüber nicht diskutieren: Vielleicht ist es ja in Nordkorea & Co. doch super… Was weiß ich schon. Jedenfalls gibt es regelmäßig Gefechte zwischen den beiden Parteien, so dass man durchaus von einem, wenn auch latenten, Bürgerkrieg sprechen kann.
Damit es noch besser wird: Nepal ist nicht nur arm wie Indien, sondern wirklich ganz am Ende des Skala. Da keine Überbevölkerung herrscht, macht sich das zwar nicht in Hungersnöten bemerkbar – aber das reale Pro-Kopf-Einkommen ist eines der niedrigsten der Welt (man wechselt sich mit Katastrophen-Ländern wie Bukina Faso auf dem letzten Plätzen ab). Die pseudo-demokratische Regierung konnte daran bisher nichts ändern. Ganz tolle Aussichten also für das überaus freundliche Himalaya-Volk (eigentlich mehrer Völker: Newari, Sherpas…). Der Tourismus ist gegenüber 2000 auf nur noch 20 Prozent des Maximums zurückgegangen, was die letzte Einnahmequelle Nepals zerstört. Alle Konfliktparteien versuchen, den Touristen ein gutes Gefühl („you`re welcome in Nepal!“) zu geben und sie dazu zu bewegen, dennoch zu kommen: Jeder Partei ist klar, dass Nepal seine einzige vernünftige Einnahmequelle nicht verlieren darf. So ist man als Tourist auch im Maoisten-Gebiet sicher: Man muss nur ein festgesetztes Schutzgeld an die Rebellen zahlen, wenn man einem ihrer Trupps begegnet. Die Höhe entspricht dabei in etwa der Visumsgebühr und soll verhindern, dies wird als Grund genannt, dass der König einseitig vom Tourismus profitiert. Dennoch ist es natürlich Erpressung, egal wie nett die Knirpse mit der M16 auch sein mögen. Immerhin erhält man eine Quittung (es soll ja mal eine ordentliche sozialistische Bürokratie werden) und muss beim nächsten Trupp nicht noch einmal zahlen. Oft versuchen sich Armee- oder Rebellentrupps mit Trekkern anzufreunden und wandern ein Stück mit ihnen. Sinn der Aktion ist es, so riskante Gebiete zu überbrücken – denn wenn Touristen in der Nähe sind, wird die Gegenpartei kein Feuer eröffnen. Es wurde in den Jahren zuvor nie Tourist entführt oder verletzt. So läuft dieser Konflikt also seit Jahren ab, ohne dass amerikanische Otto-Normal-Everest-Base-Camp-Wanderer etwas davon merkt, dass er gerade mitten durch einen Bürgerkrieg trekkt. Skurril.

Soweit die Ausgangslage. Nun haben aber hatten die Nepalis endgültig die Schnauze voll. Nach etlichen Warnstreiks in diesem Jahr wollte die Bevölkerung, angeführt von der „Seven-Party-Alliance“ aller demokratischen Parteien, den Studentenvereinigungen, den unabhängigen Medien, den Gewerkschaften, Berufsverbände wie Professoren, Ärzten, Anwälten… einen kompletten 4-Tage-Generalstreik über das ganze Land durchziehen. Nichts ging, wirklich gar nichts: Keine Geschäft war geöffnet, kein Beamter verrichtete Dienst, kein einziges Auto fuhr, die Krankenhäuser wurden geschlossen. Die Nachricht war für das freundlichen Nepal so unmissverständlich wie sie nur sein konnte möglich: König weg, Demokratie her.

Dieser reagiert, wie er schon zuvor reagiert hat: es wird keinen Millimeter nachgegeben. Am dritten Tag des Generalstreiks und der Protestkundgebungen verhängt er als Gegenmaßnahme eine komplette Ausgangssperre (üblicherweise 10-17h und 22-5h, aber jeden Tag anders). Zudem verordnet er das Abschalten aller Mobiltelefonnetze (jepp, auch Telekom), um Demonstrationen zu verhindern. Bei Zuwiderhandlung gegen die Ausgangssperre wurde mit Schusswaffengebrauch gedroht.

Die SPA wiederum entschied, der Repression nicht nachzugeben und verlängerte daraufhin den Streik ins Unendliche. Die Lage spitzte sich zu: Straßensperren wurden aufgebaut und Reife angezündet, auf den internationalen Kanälen wird Nepal zum Thema, es jeden Tag gibt es etliche Verletzte und einige Tote bei den dennoch stattfindenden Protestveranstaltungen. Bitter dabei war: Nepal hat eine Pflichtarmee. Das heißt, den protestierenden Studenten stehen 19-Jährige mit Schiessbefehl gegenüber, die vermutlich lieber auf der anderen Seite stehen würden.

Natürlich galt die Ausgangssperre nicht für uns. Die Touristen konnten sich frei bewegen, wir wurden nur in Unruhegebieten gebeten, umzudrehen. Im Touristenviertel Thamel waren auch einzelne Restaurants, Shops und natürlich die Hotels geöffnet. Lediglich am Sonntag konnten wir nicht wirklich vor die Tür: wir liehen uns einen DVD-Player. Gingen wir ansonsten auf die Strasse, so bestimmte ein seltsames Bild diese Tage in Kathmandu: einzelne Touristen (fast alle wollten in Nepal bleiben) zogen durch eine verbarrikadierte Geisterstadt, während die Nepalis in ihren Hauseingängen und hinter ihren Fenstern saßen – eingesperrt von ihrem König.
Die Lage wirkte für uns angespannt, aber nicht bedrohlich: es waren keine Schüsse zu hören, bis auf ein paar Rauchfahnen in der Ferne und die allgegenwärtigen Armeefahrzeuge war nichts zu sehen. Trotz der Situation war Nepal immer noch sehr entspannt, weit weniger anstrengend als ein Tag in einer indischen Großstadt etwa. Zudem war die touristische Infrastruktur zwar teilweise außer Betrieb – selbst der verbleibende Rest war aber mehr, als in den meisten indischen Städten. So konnte man etwa auch italienisch (richtiger Weißwein, Hannah glücklich), deutsch (haben wir aber nicht ausprobiert), thailändisch und japanisch essen gehen, es gab Shops mit kopierten westlichen DVDs und CDs und kleine Supermärkte in denen man sogar HARIBO (Hurra!) kaufen konnte.

Viel zu berichten gibt es über die Tage nicht: Hannah las ihr „Shantaram“, ich mein „Elementarteilchen“ (ganz interessant, aber etwas plakativ wie Houllebeq halt schreibt). Mit „Memories of a Geisha“ (schön ausgestattet), „Master & Commander“ und „Brokeback Mountain“ (etwas zu lang, aber sehenswert) sahen wir auch zum ersten Mal seit langem wieder ein paar gute Filme. Leider war ich zwischen durch zwei Tage ziemlich krank: Travellers Diarrhoe, nicht schön, kein weiterer Kommentar. Mit selbst ausgesuchten Antibiotika (in Asien ist das nicht so mit „ich kann ihnen das Medikament nur mit Verschreibung verkaufen!“ ;)) hatte ich den Aufstand in meinem Magen-Darm aber dann wieder unter Kontrolle.

Wir konnten uns aufgrund der mangelnden Rikschas nur die Sehenswürdigkeiten in unmittelbarer Nähe der Innenstadt ansehen. Zum Glück gibt es davon viele: alleine am Durbar Square erdrücken sie einen geradezu. Hier fühlt man sich sofort und glaubwürdig um Jahrhunderte zurückversetzt. Hier hatten wir ausnahmsweise mal Glück in Nepal: die Kumari, die lebende Göttin kam aus ihrem Haus und wir konnten sie aus nächster Nähe sehen. Das passiert nur 3- bis 4-mal im Jahr für ein paar Minuten – und wir standen nur zufällig davor. Die Kumari wird aus der Riege der Gold- und Silberschmiede erwählt: es handelt sich um ein kleines Mädchen, dass eine Gottheit sein soll. Welche der in Frage kommenden Mädchen es ist, wird durch eine Reihe von Prüfungen (unter anderem Erschrecken durch ein Geisterschauspiel der Mönche, Aussuchen der Kleidung der alten Kumari unter einer Auswahl verschiedener Möglichkeiten) herausgefunden. Sobald die Kumari ihre Periode bekommt, muss sie als Göttin abtreten und wird selbst wieder ersetzt. Solange residiert sie als lebende Gottheit im Haus der Kumari (Fotos!).
Einen ansehnlichen Durbar Square (Palastplatz) hat auch Patan, einstiger Gegenspieler, jetzt Vorort von Kathmandu (leider keine Fotos, Kamera kaputt).

Die berühmteste Stupa der Welt, und neben dem Mount Everest, das Wahrzeichen Nepals ist die Swayambhunath Stupa, die wir uns unter Einsatz unserer Schenkel dann doch nicht entgehen lassen wollten (sie liegt nur ein paar Kilometer von der Innenstadt entfernt auf einem Berg im Kathmandu Valley). Wir wählten den steilen, aber eindrucksvolleren Aufstieg von der Ostseite – und wurden mit einem magischen Ort belohnt, der aufgrund der Rahmenbedingungen auch ziemlich wenig besucht war - die Affen waren DEUTLICH in der Mehrheit gegenüber ihren evolutionären Nachfolgern. Sogar die Affen waren weniger aufs Betteln und Stehlen aus als ihre indischen Artgenossen – verwunderlich, dass der buddhistische Einfluss so weit reicht. Bei der Gelegenheit lernten wir auch zwei Jungs von der Armee (der königlichen) kennen, die gerade frei hatten. Wir viele ihrer Altergenossen haben sie das Ziel, wenigsten ein paar Jahre aus Nepal herauszukommen und etwas Geld zu verdienen: als UN-Blauhelme im Sudan oder auf Haiti – viel mehr Karrierechancen hat man als Nepali nicht. Langsam wurde mir klar, warum die ganzen UN-Blauhelme immer aus Pakistan, Bangladesh, Indien oder eben Nepal kommen.

Wir hatten keine schlechte Zeit in Kathmandu und waren sehr angetan von den Nepalis. Leider hatten wir einfach Pech mit dem Zeitpunkt, so dass wir schließlich vom De-Facto-Eingesperrt-Sein so genervt waren, dass wir uns für einen zweiten Flug entschieden – und nicht mehr auf die Wiederaufnahme der Busverbindungen warten wollten. Da Wagma ihre Pläne geändert hatte und wir uns nun doch nicht mehr wie ursprünglich geplant in Islamabad treffen würden, überlegten wir zwischenzeitlich, Indien Indien sein zu lassen und von Kathmandu direkt nach Thailand zu fliegen, wenn wir nun doch einen weiteren Flug zahlen mussten (uns wurden übrigens dann auch noch die 30$ Visum abgeknöpft). Einerseits wollte ich aber erst nach anderen Möglichkeiten schauen, wie wir uns doch mit Wagma, Masood und Saladin(!!) in Kabul treffen könnten und zum anderen waren wir ja noch nicht in Rajasthan gewesen, dem Orient-Reiseziel in Indien überhaupt. Daher buchten wir kurz entschlossen und genervt von König zweimal Sahara Airlines nach Delhi International. Falls ihr mal in die Situation kommen solltet: Sahara Airlines ist äußerst empfehlenswert! Moderate Preise, Megabeinfreiheit, nette Besatzung… und Bier (?!) gratis. Machte auf jeden Fall den Widereinstieg nach Indien leichter. Der Panorama-Blick auf das Himalaya war natürlich auch nicht schlecht.

Und was passierte mit Nepal?
Neben den ganzen innenpolitischen Gruppen versuchten auch die UN, die EU, die USA, Japan und Indien den Druck auf den König zu erhöhen.
Dennoch sollten noch 10 Tage mit Streik und Ausgangssperren und zunehmender Gewalt folgen (es war also die richtige Entscheidung raus zu fliegen). Soweit ich das hier in Indien in Erfahrung bringen konnte eröffnete die Armee bei einer großen Veranstaltung tatsächlich das offene Feuer auf die Menge (soweit ich weiß 10 Tote) – worauf hin die Empörung in Nepal so groß wurde, dass endlich, wie von Hannah vorausgesagt, auch die weniger politisch engagierten Nepalis zu Hunderttausenden (also praktisch alle) auf die Strassen Kathmandus gingen und, ganz im Stile Leipzig und Ost-Berlins, dem König ein wütendes „Wir sind das Volk!“ entgegen schrieen…auf Nepali natürlich. Der König hat daraufhin endlich nachgegeben. Was auch immer jetzt passieren mag: Alles Gute, Nepal!

Daniel

2006/04/05

Varanasi (5.4.2006)


PICT4107
Originally uploaded by schlagwein.

Varanasi, 31.3.- 5.4.2006

Nach ca. 10 Stunden Bahnfahrt erreichten wir den Bahnhof Kashis, einem Vorort Varanasis. Wir vermieden den Hauptbahnhof der Stadt in der Hoffnung, so den Massen geldhungriger Rikschafahrer und Comission-Guys zu entgehen, was auch fast funktionierte. Nach langem Hin und Her (die Inder sind nie zu müde, mindestens zehn Minuten den Preis zu verhandeln!), waren wir, verteilt auf zwei Rikschas, auf dem Weg in die Innenstadt. Es ist anzunehmen, dass die Rikschafahrer auch von dem Besitzer des Cafes, an dem sie uns mit der Bemerkung „von hier nicht mehr weit – only by foot“ absetzten, ebenfalls Komission erhielten. Denn im Nachhinein bemerkten wir, dass es keineswegs ein Problem gewesen wäre, uns bis zum angestrebten Hotel zu fahren. Nun, der Ort war nicht der schlechteste und somit nahmen wir im Innenhof des Cafes erst einmal ein Frühstück zu uns.
Danach machten Daniel und ich uns erst einmal auf die Suche nach zwei Doppelzimmern, während Norwegen auf unser Gepäck aufpasste.
Schon auf unserer ersten Fahrt in die Stadt war kaum zu übersehen, dass die Stadt aus allen Nähten platzte! Enge Straßen und Gassen, überfüllt von Menschen, Kühen und in erster Linie Mist – im wörtlichen Sinne. Varanasi ist ein großes Dorf und die Gassen bieten nun einmal keinen Platz für so etwas wie einen Misthaufen. Also hieß es, Hosen hochkrempeln und schauen, wo man hintritt… Trotz eines unglaublichen Lärmpegels und einer der schrillsten Kulissen, die Indien zu bieten hat, habe ich diesen Ort sofort in mein Herz geschlossen. Kein anderer Ort in Indien, den ich bisher gesehen hatte, erschien mir authentischer als dieser. Schönere Orte gab es definitiv, aber spätestens in Varanasi weiß jeder, dass er in Indien ist. Und auf dem Festland fühlte ich mich nur in Hampi gleichermaßen wohl. Es ist also doch nicht nur der Dreck und der Lärm, der mich in diesem Land manchmal um den Verstand zu bringen scheint! Ich war so zufrieden, endlich einen Ort vorzufinden, an dem man nicht krampfhaft versuchte, westlich zu sein! Und das Resultat konnte sich sehen lassen: überall begegnete man den heiligen Männern, Saddhus genannt, die in grell gläubiges Orange gekleidet und mit einem Turm verfilzter Haare auf dem Kopf, auf die Almosen der Gläubigen angewiesen durch die Stadt wandelten. An jeder Ecke konnte man Heiligenbildchen, Betketten, Opfergefäße, Räucherstäbchen und Götterfiguren erwerben. Natürlich hatte man sich auch auf die westlichen Besucher eingestellt und so ist Varanasi ein Einkaufspradies für alle, die eine Vorliebe für bunte Batik- und Seidenklamotten, Hippiehemdchen, Glasperlenketten, Patchworkdecken und schrille Handtaschen haben.
Wir verbrachten eine Nacht in einem sehr preiswerten und gepflegten Hotel, das wir danach jedoch für ein ebenfalls billiges Zimmer mit Gangesblick von einem kleinen Balkon in einem anderen Guesthouse aufgaben. Die Besatzung des Ganpati Guesthouses ist zwar nicht die zuvorkommenste, allerdings kann sich die Anlage mit ihrem schönen Innenhof, in dem zwei kleine Baby-Kaninchen herumhopsten (Fotos!), echt sehen lassen. Leider hatten wir jeden Morgen ab ca. 7 Uhr unter einem Powercut zu leiden, da die Stadt wie viele indische Städte auf diese Art und Weise Strom einsparen wollte. Uns betraf das in sofern, dass der Ventilator in unserem Zimmer den Geist aufgab und wir ein paar Minuten später anfingen zu kochen. Des Weiteren befand sich offenbar neben unserem Raum die Küche, die aufgrund der generell unzureichenden Stromversorgung auf einen sehr lauten Generator angewiesen war. Somit war ein Verschlafen schier unmöglich und unser Tag begann im Allgemeinen und zu meiner „großen Begeisterung“ zu früh. Für die Inder ist es nichts Ungewöhnliches, den Tg morgens um fünf oder sechs mit der aufgehenden Sonne zu beginnen und ihn pünktlich mit der Dämmerung auch zu beenden, da sowieso nicht alle über elektrische Versorgung verfügen. Dieser Rhythmus obliegt der Ganzen Stadt und somit wurden nach den letzten Gebeten am Ganges überall die Bürgersteige hochgeklappt. Ein Schild in unserem Guesthouse bat den aufmerksamen Leser, spätestens um 22.30 Uhr sein Zimmer aufzusuchen. Als wir eines Abends nicht auf die Zeit achteten und gegen 00.00 Uhr erst den Heimweg antraten, da wir in einem der Touri-Läden mal wieder viel zu lange auf unser Essen warten mussten, standen wir tatsächlich vor verschlossenen Türen und konnten uns nur durch lautes Klopfen bemerkbar machen. Mit vorwurfsvollem Blick ließ man uns dann doch noch ein. Am nächsten Abend waren wir wieder pünktlich, gab es doch eh nicht soviel zu tun im Dunkeln der Nacht…
In fünf Tagen in dieser chaotischen, aber sehr atmosphärischen Stadt besuchten wir natürlich auch die Verbrennungsanlagen am Ganges, in dem sich die Hindus nach ihrem Tod verbrennen und ihre Asche über den Fluss in den Kreislauf des ewigen Lebens zurück gelangen lassen. Für die Hindus ist der Ganges heilig und es bedeutet ihnen die größte Ehre, in Varanasi sterben zu dürfen. Alle Hindus, die es sich leisten können, reisen wenigstens einmal in ihrem Leben an des Fluss, um sich darin zu waschen – ein heiliges Ritual, das sich für einen Nicht-Gläubigen nicht nachzuahmen empfiehlt, kann es doch schon mal zu Kollisionen der dritten Art im Wasser kommen: die Leichenreste werden einfach in den Fluss geschickt…
An den Verbrennungsstätten kann man sich aussuchen – je nach Reichtum und Status – mit welchem Holz man verbrannt werden möchte. Am teuersten ist natürlich Sandelholz, aber im Umkreis von Kilometern wird es einem vermutlich jeder danken, sich für diesen kleinen Luxus entschieden zu haben. Meine Nase ist ja nicht nur groß, sondern auch extrem empfindlich und so bin ich natürlich in den doppelten Genuss gekommen. Am Ufer des Ganges gibt es drei offizielle Verbrennungsanlagen, die Tag und Nacht im Gange sind. Dabei werden an jeder dieser Stellen zeitgleich bis zwischen fünf bis zehn Körper verbrannt.
Eine dieser drei „Krematorien“ funktioniert neuerdings hochmodern und elektrisch – wir sind zum Glück nur in den natürlichen Genuss gekommen. So weit so gut! Letztendlich hat mich aber dann dennoch gewundert, was die ganzen Männer in den Fluten neben den halb verbrannten Leichen suchten… Ein Mann neben uns erklärte, dies seien Arme, die darauf spekulierten, an Resten der Verbrannten noch Fingerringe oder Zahngold zu finden. Jetzt sah ich es auch: die Männer tauchten hin und wieder am Flussufer ab, manche hatten sogar Werkzeuge in der Hand, die sie einsetzten. Den Rest erspare ich Euch jetzt hier. Tja, wir waren in Indien und demzufolge konnte mich noch nicht einmal diese Spektakel schocken!
Abends haben wir uns am Ufer in der Innenstadt die religiösen Zeremonien der Brahmanensöhne angeschaut. Jeden Abend zwischen 18h und 21h konnte man das bunte und sehr einnehmende Spektakel bestaunen. Die Atmosphäre zog uns total in ihren Bann. Alle Leute der Stadt schienen hier versammelt, um der Gottheit des Flusses, Ganga, ihre Opfergaben darzubringen. Das war Varanasi pur!
Die nächsten Tage verbrachten wir hauptsächlich mit Shoppen und Bummeln. In einem tollen Seidenlager erhielten wir wunderbare Rohseide nach langem und sturem Verhandeln zu einem Spott-Preis! Die Leute, denen wir unsere Beute zeigten und den gezahlten Preis sagten, starrten uns mit ungläubigen Augen an, nahmen ein Streichholz, um die Reinheit der Seide zu prüfen, guckten verwirrt, fragten wieder nach dem Preis und fragten uns, wo wir die Ware her hätten. Da wir das Gefühl hatten, mit der Seide könnte irgendetwas nicht ganz rein gelaufen sein, da sie offensichtlich 100% rein war, gaben wir die Adresse nicht raus, gingen aber am nächsten Tag noch mal hin und kauften für den gleichen Preis noch einmal ein. Andere Händler boten uns Geld an, damit wir für sie dort auch Seide kaufen mögen. Sie gingen alle davon aus, dass der Händler sehr wahrscheinlich dringend Geld bräuchte, da unser Preis, den wir gezahlt hatten, sogar unter den Herstellungskosten lag. Wir konnten uns das alles nicht richtig erklären, waren aber sehr zufrieden mit unserem Kauf. Aus schwarzer Seide ließen wir Daniel direkt vor Ort eine schöne Tunnelzughose schneidern, die super aussieht! Dann suchten wir für unsere Mütter auch noch jeweils ein Stück dunkelrote bzw. rost-oliv-farbene Rohseide aus, damit sie sich etwas daraus nähen lassen können. Ich habe mir ein großes Stück schwarze Seide einpacken lassen – was sonst!
Ansonsten machte es auch sehr viel Spaß, einfach durch die engen, bunten Gassen der Stadt zu bummeln und die alten Gebäude, die Tiere, die Handwerker, die heiligen Männer, Bettler, und so weiter und so fort zu bestaunen. Varanasi ist wohl das indischste, das wir in Indien gesehen haben!
Während unseres Varanasi-Aufenthalts erhielt Daniel auch die Note für seine Diplomarbeit – eine glatte und unglaubliche 1,0!!! Wir sind alle sehr stolz. Seine endgültige Diplomnote ist somit eine 1,4 um die ich ihn fast ein bisschen beneide… Auch seine Family – zu beiden Seiten – war unglaublich aufgeregt und sehr stolz, als wir mit ihnen am Telefon gesprochen haben – kein Wunder!
Am Abend dieses Tages stießen wir im hochheiligen und abstinenten Varanasi dann dennoch mit einem Bier auf diese tolle Ergebnis an, zusammen mit unserer Bekannten Simone aus San Franzisco, die wir in der Stadt kennenlernten – liebe Grüße!

Hannah

Nepal

2006/03/30

Andamanen (30.3.2006)


PICT3535
Originally uploaded by schlagwein.


Die Andamanen und Nikobaren sind eine ziemlich große Inselgruppe mitten im indischen Ozean. Obwohl sie politisch zu Indien gehören sind die 600 Inseln eigentlich ein Teil Südostasiens und die Spitze eines riesigen Unterwassergebirges, das von Myanmar ausgehend nach Süden hin in Sumatra und Java weiterläuft. Sie laufen auf indischer Einheitszeit, was in diesen Breiten (beziehungsweise Längen) dann Sonnenaufgang um halb fünf bedeutet.

Im Auftrag des Independent hat ein deutscher Forscher Anfang des Jahres eine „Formel für den Traumstrand“ erstellt, die die Andamanen, vor den Malediven und den Seychellen auf Platz 1 rechnet. Fragwürdig, aber nachzuvollziehen. ;) Die Leute hier sind auf jeden Fall mächtig stolz.

Traurigerweise sind die Inseln erst durch den Tsunami 2004 bekannt geworden, als viele der südlichen Inseln (Nikobaren) schwer getroffen wurden. Offiziell starben hier 6000 Menschen, uns wurde aber gesagt, dass diese Zahl ums zehnfache untertrieben ist, da die Regierung Entschädigung sparen will. Wir haben Amateurbilder sehen können, die Welle zeigen: unfassbar. Eine Insel mit (zuvor) 12000 Einwohnern wurde komplett von der Welle leer gefegt. Eine unglaubliche Naturkatastrophe.

Die Inselgruppe ist touristisch praktisch nicht erschlossen und die allermeisten Inseln sind unbewohnt und nicht zugänglich. Tatsächlich gibt es auf den Inseln noch Urvölker, die noch keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Speziell die Onge (leben unter anderem auf North Sentinel Island) zeichnen sich dadurch aus, dass sie Versuche, mit Booten auf ihren Inseln zu landen mit einem Hagel aus Pfeilen quittieren. Mir war nicht bewusst, dass es so etwas überhaupt noch gibt. Die Siedlungen der Janwar wurden in den 50er Jahren von der indischen Regierung bombardiert, da sie die zuströmenden indischen Siedler angriffen. Heute haben sie geschützte Reservate auf den Hauptinseln zur Verfügung. Die Andamesen waren von vorneherein sehr aufgeschlossen gegenüber Indern und Briten, was ihre Ausrottung durch Grippe-Viren zur Folge hatte. Die Nikobaresen sind angepasster aber haben sich wohl einen Rest eigener Kunde bewahrt: aufgrund alter Überlieferung oder durch wachsames Beobachten des Verhaltens der Tiere (ist nicht so ganz klar)… flüchteten sie in den Urwald, bevor die Welle anrollte – und überlebten.

Wie alle Anreisenden landeten wir in Port Blair, der einzigen Stadt der Andamanen. Trotz tropischer Lage unterscheidet sie sich nicht sonderlich von jeder anderen indischen 150000-Einwohnerstadt, sprich nicht besonders ansprechend… also nahmen wir mit zwei Deutschen, die wir am Flughafen kennen gelernt hatten, sofort die Fähre auf eine der Inseln. Da nur die „Haupttouristeninsel“ Havelock Island an diesem Tag angefahren wurde, schmissen wir unsere Neil-Island-Pläne kurzfristig über Bord.

Havelock erwies sich als bei weitem weniger entwickelt als erwartet, weswegen ich auch die Anführungszeichen gesetzt habe. Touristisch erschlossen bedeutet hier mehr, dass es überhaupt Übernachtungsmöglichkeiten gibt – wovon Havelock mit 300 Betten (Hängematten mitgerechnet ;)) die meisten hat. Die gute Informationsversorgung der israelischen Traveller auf der Suche nach schönen, unerschlossenen (und damit günstigen) Reisezielen sorgte jedoch für einen erheblichen Zustrom, so dass die Ressorts völlig überfüllt waren. Nachdem wir uns schon mit einem Schlafplatz im Restaurant vom Pristine Ressort abgefunden hatten, hatten wir im Eco Ressort doch noch Erfolg und fanden die letzte freie Hütte.

Zu unserer großen Freunde marschierten Helen (aus Schweden) und Kaala (eigentlich Alessandro, aus Italien), unsere Bekannten aus Goa, just an diesem Abend in das „Restaurant“ (große Bambushütte mit Matten) unseres Ressorts. Auch sie hatten sich erst nach Goa dazu entschieden, auf die Andamanen zu fliegen – und waren genauso perplex, dass wir uns wieder treffen. Sie waren an den Abend nur in unserem Ressort-Restaurant, weil in ihrem Ressort alle Angestellten inklusive Koch in den Wirren des gerade stattfindenden Holi-Festivals, eine Art indischer Karneval mit Farbbeuteln statt Bonbons, verschwunden waren.

Am nächsten Morgen zogen wir zusammen ins Amazon Ressort um. Hier waren noch zwei benachbarte Hütten frei, nicht zuletzt, deswegen, weil es sich der sympatische Betreiber Stanley mit dem Mädel vom Lonely Planet über einen „Discount on Lobster“ verscherzt hatte. Falls ihn jemand nicht kennen sollte: Der Lonely Planet ist DIE Traveller-Bibel überhaupt.
Da Stanley einen „shanti“ (Hindi für „langsam/ruhig“) Ort bevorzugte, blieben wir die nächsten zwei Wochen dort: Zwar haben wir beide nichts gegen einen feinen Elektrobeat einzuwenden – aber Isreal-Psy-Trance a la Infected Mushrooms um 7 Uhr morgens muss ja nun echt nicht sein. Dass die meisten Israelis gerade aus 3 Jahren israelischer Armeen kommen und einen drauf machen wollen, ist zwar zu verstehen, machte sie aber ziemlich unbeliebt bei den Indern und den anderen Travellern. In der Praxis heißt dass, Ressorts mit zu hohem Israeli-Anteil zu meiden, wenn einem Schlafen und Ruhe wichtig sind. Wenigstens ist die Musik (meistens) ganz gut.

In den folgenden zwei Wochen verbrachten wir die meiste Zeit mit Lesen, Schnorcheln und Hängematting. Einige Tage nachdem wir Alessandro und Helen wieder getroffen hatten, begegnete uns auch Janus (aus Dänemark) noch mal, den wir ebenfalls in Goa schon getroffen hatten. Er hat sich inzwischen (oho!) eine deutsche Freundin namens Anna angeschafft hatte. ;)

Unsere Hütte lag direkt am Strand („Beach Number 2“ in der Nähe von „Village Number 3“), weswegen wir nur selten andere Teile der Insel ansahen – wenn, dann meistens um den Tropentraum schlechthin („Beach Number 7“) zu besuchen.

Hannah hatte leider zwischen durch eine arge Gastritis. Nach der zweiten Nacht mit üblen Magenschmerzen besuchten wir das „Hospital“ der Insel: überraschenderweise wirkte der Arzt kompetent – und: da Regierungshospital, waren Behandlung und Medikamente umsonst. Hannahs Gastritis fesselte uns einige Tage ans Ressort und brachte mich dazu meine mit 10 Jahren beendete Schach-Karriere wieder aufleben zu lassen. Schliesslich ging es ihr zum Glück besser.

Sehr schön war unser länger in der „Konzeptphase“ angedachtre Bootsausflug, den wir mit Chirit aus Israel, den beiden Deutschen, dem Ressortbetreiber Stanley und seinem hervorragenden Koch Ramu zum Schnorcheln und Fischen machten. Als endlich einmal alle gleichzeitig anwesend und gesund waren und auch noch die Sonne schien, ging es endlich los. Mit „Motorschaden“ als Erklärung für die eventuell auftauchende Nationalpark-Polizei blieben wir leider an einem Traumstrand auf einer unbewohnten Insel liegen (Fotos) – so ein Pech ;).

„Beach Number 7“ ist sicherlich eines der Highlights bis jetzt: Ein zwei Kilometer langer, kristallweißer Sandstrand in Form eines Halbmondes. Türkises Wasser, perfekte Wellen, Urwald im Hintergrund – viel besser wird es wohl nicht. Zum Glück darf an dem Strand nichts gebaut werden, aufgrund der Regeln im Nationalparks (die auch für die kuriosen Nummern-Namen verantwortlich sind). Die indischen Touristen, falls vorhanden, bewegen sich nicht von aus den 50m Küstenlinie unmittelbar am des Ende des Weges zu Strand 7 weg. Das heißt, die 2 Kilometer Strand sind komplett leer, außer einer kleinen Stelle, wo 100 Leute auf einmal baden. Kurios. Dazu muss man wissen, dass die Inder zum einen meist nur eine Stunde im Rahmen einer organisierten Pauschalreise an den Strand kommen (Individualismus ist generell keine der hervorstechenden Eigenschaften Asiens) – und zum anderen, weil die meisten Inder einfach nicht schwimmen können (böse gefragt: wie auch mit Klamotten an?).

Unsere Lieblingsstelle war „die Lagune“: ein kleiner Strand, der sich relativ abseits an das nördliche Ende von „Beach 7“ anschließt und aus 2 Korallenriffen rechts und links und einem zum Schwimmen geeigneten Sandteil in der Mitte besteht. Das Schnorcheln hier stellte sich als ziemlich unglaublich heraus: wir sahen große, bunte Fischschwärme, Hummer, Seeigel, Barrakudas, Riesenmuscheln und „Nemos“ in ihren Anemonen. Dazu alles an Weich- und Hartkorallen, was die Tropen hergeben. Über- und Unterwasser ein wunderschöner Ort.

Eine andere Stelle, die man auf Havelock ansteuern kann ist „Elefant Beach“ – mangels Namens von den Touristen so getauft, weil im Urwald dahinter Arbeitselefanten, hier noch sehr begehrt, ihren Dienst verrichten. Der Weg ist nicht ausgeschildert und führte ca. 45 Minuten durch tiefen Urwald, der mit einer entsprechenden Klangkulisse aufwartete. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sich nicht am Rückweg versuchen! Der Strand selber ist von Tsunami komplett zerlegt worden: der Sand ist größtenteils abgetragen, die erste Baumreihe liegt als Leichen quer über dem Strand, was das ganze etwas unwirklich erscheinen lässt. Sollten wir der Meinung sein, vorher beim Schnorcheln schon viel gesehen zu haben: hier steigt man in das absolute Aquarium. Hannah sah einen Fisch wieder, den sie nur aus Kinderbüchern kannte: den hochgiftigen Zebrafisch. Sie war begeistert vom Schnorcheln, und mit der Einschränkung auf die Wasseroberfläche nicht einverstanden: ich glaube, das mit dem Tauchkurs ist keine Frage mehr.

Aber apropos hochgiftig: Eine ca. 3 Meter Schlange, ebenfalls giftig, schreckte die Israelis, die sich gerade am Strand vor unserem Ressort mit eine paar Joints (auf den Andamanen wird das eher liberal gehandhabt) bequem gemacht hatte, auf. Mit gebührendem Abstand folgten ihr alle, was sie dazu veranlasste, sich die erste Deckung zu suchen, die sie finden konnte: die Veranda unserer Hütte! Ein indisches Kind wurde auf der Insel nur einige Woche zuvor von eben dieser Spezies, wie die meisten hier eine endemische Art der Andamanen übrigens, gebissen – und starb. Daher fand sich letztlich eine Mehrheit für die etwas martialische Kopf-Ab-Lösung die mit den Bildern dokumentiert ist (sie sind nicht von unserer Kamera: die war in der Hütte, und ich hatte irgendwie wenig Lust sie zu holen). Stanley lud das schlechte Karma auf sich und erledigte die Schlang mit einem gezielten Macheten-Hieb. Die unromantischeren Seiten der Naturnähe im Nationalpark stellten wir dann am Abend direkt noch einmal fest: ein (ebenfalls giftiger, wenn auch nicht tödlicher) 20x4cm-Hundertfüssler kletterte aus Hannahs Unterwäsche! Sie hatte sie zum Glück nicht an. Tja, die Tropen sind nicht Sylt. Die Schlange, auf die Hannah auf dem Heimweg um ein Haar drauf getreten wäre – war aber ungiftig, wie uns die Inder versicherten. Na ja, wir waren beide froh, dass ich auch im Halbdunkel noch gut sehe, und Hannah im letzten Moment festgehalten habe.

Mein Geburtstag (am 27.) war sehr schön: Wir saßen mit den Leuten unseres Ressorts im Strandhütten-Restaurant. Nachdem wir Ramu extra gefangene Hummer verspeist hatten brachte Hannah mir das Handy des Bruders des Freundes des Nachbarn des Ressortbetreibers (oder so ähnlich)… andere Mobilnetze funktionieren auf den Andamanen nicht. Die Zeitverschiebung mit etwas kruden 4,5 Stunden und der Wechsel von Winter- auf Sommerzeit in dieser Nacht sorgten dafür, dass ich Geburtstagsständchen per Telefon so ziemlich zu jeder vollen halben Stunde von halb elf bis eins erhielt. ;) Meine Oma war aber pünktlich. Um Mitternacht durfte ich die Kerzen an meinen Kitsch-Revanche-Geburtstagskuchen auspusten. Hannah schenkte mir einen liebevoll gebastelten Gutschein über eine Nacht einem luxuriösen Taj-Hotel nach Wahl (etwa das Lake Palace Hotel in Udaipur, das aus Octopussy) – was mich sehr freute. Die Taj Hotels sind die pompösen ehemaligen Maharaja-Sitze in wüstenreiche Rajasthan in Nordindien.

Nach zwei Wochen auf den Andamanen nahmen wir die Fähre zurück nach Port Blair. Hatten ein paar Unterhaltungen mit einigen Indern, die ausnahmsweise mal keine monetäre Transaktion zum Ziel hatten.
Unter anderem schenkte mir ein Sikh namens Singh sein Mittagessen, für das er schlauerweise ein Gutschein erworben hatte. Natürlich nicht auf dem Schiff, sondern von einem Reisebüro, dass sie von dem Fährbüro erworben hat, dass sie wiederum im Auftrag der Fährgesellschaft verkauft… oder so. Kostet dann aber nur 25Rs, also knapp 0,5€. Danke auf jeden Fall für die schmackhafte Rettung vor der Bürokratie. Diese ist in Indien allgegenwärtig: sogar für den Kauf eines Bahntickets zweiter Klasse muss man ein Formular ausfüllen. Formulare enthalten üblicherweise auch Angaben wie „Name of husband or father“ als Pflichtfelder. Auch das Fotografieren von Lokomotiven erfordert in diesem Land eine schriftliche (aber kostenlos auf schriftlichen Antrag hin zu erhaltende) Genehmigung. Eventuell sollte man im Zeitalter von Google Earth solche Regelungen noch einmal „für 5 Cent überdenken“ (O-Ton Hannah).
Fast alle Sikh heißen Singh („Löwe“), was der Effizienz des Telefonbuchs von Amritsar schaden dürfte, mutmaße ich jetzt mal. Die Sikh scheinen ganz nett zu sein, vor allem gelten sie als zuverlässig. Warum gerade die Sikh mit ihren Turbanen zum Klischee-Inder-Bild im Westen wurden, ist mir allerdings schleierhaft: zum einen sehen sich die aus Punjab stammenden Sikh nicht wirklich als Inder (siehe Indira-Ghandi-Mord), zum anderen gibt es nur 20 Millionen von ihnen in ganz Indien. In einem Land mit einer Gesamtbevölkerung von bald 1,3 Milliarden ein Klacks.

Hannah bekam dagegen einen Tee von einem Ingenieur aus der Nähe von Bopal (leider nur bekannt wegen eines üblen Chemieunfalls) geschenkt und musste als Fotomodell für Heerscharen junger Studenten herhalten. Wir griffen unseren Bombay-Witz („photo 10 rupees, girl alone 50 rupees“) wieder auf. Die Stimmung auf der Fähre war gut – ein älterer Israeli, der mit seinem Sohn durch Indien reiste, überredete mich schließlich dazu, mit ihm in die bengalischen Tänze auf dem Oberdeck einzusteigen (Fotos).

Wir hatten unsere Flüge umgebucht, um von unserem Treffen mit Wagma in Pakistan noch genügend Zeit für Nordindien zu haben. So verließen wir Port Blair am 30. März mit Air Deccan, dem indischen Billigflieger, in Richtung Kalkutta…

Daniel

Kalkutta (30.3.2006)


PICT3845
Originally uploaded by schlagwein.


Oh Kalkutta! Als Armenhaus Indiens in den Reiseführern und bei mehreren modernen Schriftstellern des letzten Jahrhunderts als „ein einziger, hoffnungsloser Haufen Scheiße“ beschrieben, zunächst nicht unbedingt der Ort, an dem man viel Zeit seiner Reise verbringen möchte… Das dachten wir uns jedenfalls und waren höchst erstaunt, immer wieder auf Reisende zu treffen, die sogar mehrere Wochen dort verbrachten und die Stadt angeblich liebten. Die Menschen seien so nett und alles sei überhaupt so wunderbar! Können sich denn so viele Menschen getäuscht haben? Oder hatten wir es lediglich mit durchgeknallten Drogenabhängigen zu tun, die im Nebel ihres Wahnsinns die Realität nicht mehr wahrzunehmen vermochten!???
Kalkutta ist auf den ersten Blick, in unserem Falle der Landeanflug von den Andamanen, überhaupt nicht schockierend. Viel Grün, Prachtstrassen und natürlich der obligatorische verseuchte Fluss, der uns nach all den Wochen Indien nicht mehr erschrecken kann.
Eine Millionenstadt, von denen laut Reiseführer zwei Drittel in den Slums wohnen.
Fuhr man in Bombay geradewegs aus den Slums heraus um in die Innenstadt zu gelangen, so waren hier in Kalkutta zunächst nur weit angelegte Strassen und Grüngürtel zu sehen. Fast war ich schon ein wenig enttäuscht, als unser Taxi dann endlich mit einer scharfen Wende in den puren Orient abtauchte. Da waren sie. Schreiende Rikschafahrer auf ihren klapprigen Rädern (kaum Motorrikscha, sondern Fahrrad- oder Laufrikscha), schreiende Straßenverkäufer, schreiende Mütter, permanentes Hupen von allen Seiten, breite Lächeln aller Passanten, die neugierig versuchten, schnell noch einen Blick auf die blonde Besatzung des Taxis zu erhaschen, trotz all des Lärms immer wieder Schlafende an den Straßenrändern, die sich vor der scharfen Mittagshitze zu retten versuchten – das ganze Programm!
Die Bengalen sind berühmt für ihr Temperament und ihre Hitzköpfigkeit. Zuvor hatten wir schon öfter Bengalis mit den Fäusten aufeinander losgehen und sich anschreien gesehen, was für die Inder im Allgemeinen als sehr unhöflich gilt. Aber in den Strassen Kalkuttas mischt sich dieses Temperament mit einem gewissen Humor unter das Volk. Hier wird gehandelt, geschrieen, gelacht und …geflirtet! Schmierige Bemerkungen an jeder Straßenecke war ich nach zwei Monaten Indien ja nun schon gewöhnt. Aber die Männerwelt Kalkuttas sieht einen Flirt ähnlich wie die Italiener in Europa wohl eher als eine Art Volkssport an und so wurde ich alle fünf Meter mit netten (und gar nicht fiesen) Kommentaren überhäuft. Wo bitte haben sie denn das gelernt (Nein, natürlich trug ich keinen Minirock!)!?
Da wir nur den einen Tag in Kalkutta verbrachten, wäre es sehr anmaßend, mich näher über die sozialen und politischen Verhältnisse der Stadt auszulassen. Wir brauchten fast zwei Stunden, um unser Gepäck zum Hauptbahnhof zu bringen, von dem abends bereits der Zug nach Varanasi weitergehen sollte. Und erst im Norden der Stadt, anschließend an das Gebiet des Hauptbahnhofes sollten die schrecklichen Slums liegen, die uns somit erspart blieben. Aber das, was wir in diesem einen Tag von Kalkutta gesehen haben, war nicht annähernd so schlimm wie erwartet. Im Gegenteil, auch ich hätte mir tatsächlich vorstellen können, noch ein bisschen länger dort zu bleiben.
Bevor wir uns jedoch auf die Reise nach Varanasi machten, hatten wir noch eine wichtige Mission: Matthias und Kari, zwei Norweger, die wir bereits am Flughafen in Port Blair kennengelernt hatten und die ebenfalls nach Varanasi wollten, hatten sich in den Kopf gesetzt, einen Pizza Hut aufzutreiben, um ihren lang geschürten Pizza-Heisshunger (sie waren über vier Wochen auf den Inseln, auf denen so gut wie keine Infrastruktur bestand) zu befriedigen. In Null-Komma-Nichts hatten sie mich infiziert und alle zusammen saßen wir bald darauf in einer Rikscha auf der Suche nach der heiligen Pizza.
Gut gesättigt befanden wir uns einige Stunden später im Zug und schliefen der Heiligen Stadt entgegen.

Hannah

2006/03/14

Madras (14.3.2006)


PICT3350
Originally uploaded by schlagwein.



Am Morgen des 12. März verließen wir mit dem Bus Munnar und machten uns auf den Weg nach Madurai, einer berühmten Tempelstadt in Tamil Nadu, dem südöstlichsten Bundesstaat Indiens. Dies erwies sich leider nicht als so einfach wie wir zunächst dachten. Mal wieder!

Nach einer zweistündigen Busfahrt sollten wir Zwischenstopp in woauchimmer machen, um von dort aus den Schnellbus nach Madurai zu nehmen.


Nach Ewigkeiten kamen wir in Madurai an. Hier ergab sich das nächste Problem. Ein Zugticket zu kaufen, ist in Indien eine zeitaufwendige und komplizierte Sache. Hier muss man wirklich beweisen, dass man tatsächlich mit dem Zug an einen bestimmten Ort fahren möchte. Man braucht einen Pass bzw. Reisepass, viel Geduld, die Sprachbarriere (auch am Touristenschalter, wenn besetzt) zu bewältigen und natürlich ein sehr wichtiges Formular, auf dem man sein Alter, sein Geschlecht und seine Anschrift in der Heimat angeben muss. Für den Fall eines Bahnunglücks ersparen sich die Behörden so ne ganze Menge Arbeit. Bleibt die Frage, ob das zu den ABM gehört oder sich in die Realität umgesetzt tatsächlich lohnt…!? Besser nicht darüber nachdenken.


In Chennai angekommen, fanden wir in der mehr oder weniger unspektakulären Stadt ein ziemlich heruntergekommenes, aber sehr niedliches Guesthouse im Kolonialstil. Hier erholten wir uns ein wenig von den Strapazen bevor wir am nächsten Morgen um vier aufstehen mussten, um zum Flugzeug zu fahren. Das einzige, was mich an Chennai dann doch beeindruckt hat, waren seine großen Shoppingmalls. Denn dort gab es seit langer Zeit das erste Zeichen des Westens: Pizza Hut! Ihr könnt es glauben oder nicht, aber vor lauter Rührung hatte ich Tränen in den Augen. Das war es, was ich wollte: unkomplizierte Essensaufnahme in Form von amerikanisierten und fettigen Pizzastücken – yes!

Auch die Abflugzeit ist in Indien eher eine nicht allzu streng einzuhaltende ungefähre Richtlinie, wann das Flugzeug theoretisch den Flughafen verlassen könnte. Aber das scheint niemand zu stören und Ewigkeiten später saßen wir entspannt in unseren Sesseln und flogen der Sonne entgegen, immer tiefer in den äußersten Osten des indischen Ozeans.



Hannah

2006/03/12

Munnar (12.3.2006)


PICT3296
Originally uploaded by schlagwein.

Munnar ist ein auf etwa 2000m gelegener Ort, der im Wesentlichen für die Schönheit seiner Landschaft und Teeplantagen bekannt ist.

Endlich saßen wir mitsamt unseres schweren Gepäcks und völlig nass geschwitzt im Bus, der uns nach Munnar bringen sollte. Die Hitze war unerträglich und unsere Ungeduld auch, nachdem wir noch so lange im überhitzen Bus auf die Abfahrt warten mussten. Wild ruckelnd ging es los. Wir hatten den Busbahnhof noch nicht verlassen, als unser Vehikel, das mir sowieso nicht allzu sympathisch und zuverlässig erschien, nun endgültig den Geist aufgab. Wir mussten alle den Bus mit dem Kommentar „only five minutes“ wieder verlassen. Nach ca. eineinhalb Stunden Warterei ohne ein einziges Lebenszeichen unseres Fahrers, begannen wir mit einem Taxifahrer einen Preis auszuhandeln. Für umgerechnet 28 Euro traten wir zusammen mit zwei Mädels aus England, die wir am Bussteig getroffen hatten, die vier-bis-fünfstündige Reise in die Berge an. Es handelte sich um eine der Luxusvarianten der Taxis: ein durchgesessener Ambassador, dessen Interieur wie auch das Äussere sich seit den 50ern abgesehen von einigen Roststellen nicht mehr verändert hatte. Stolz, ein paar Touris abgegriffen zu haben, ließ der Fahrer, der das Alter des Gefährts noch um einiges überschritt, den Wagen durch die Strassen gleiten. Auf indischen Strassen gilt immer: der Stärkere hat Vorfahrt. Sollte unklar sein, wer der Stärkere ist, hat der Mutigere Vorfahrt, in diesem Fall auch meistens der mit der lauteren Hupe. In diesem Punkt hat die Evolution dem Verhalten von Affen noch nicht viel voraus und somit wichen uns alle Rikschas und Möchte-gern-Autos schnell aus dem Weg. Vor Sonnenuntergang hatten wir oft eine tolle Aussicht auf die tolle Landschaft im Landesinneren. Die Gegend lebt von riesigen Wasserfällen, deren Flusslauf uns die Richtung wies. Im Dunkeln mussten wir den Fahrer eindringlichst bitten, die Scheinwerfer anzumachen. Mit ängstlichem Blick erkannte ich so gerade noch den tiefen Abgrund zu meiner Rechten. Den Fahrer schien das nicht zu beeindrucken – vielmehr war er besorgt um seine Lichtmaschine, die nicht mehr lud, wie er uns mit wilder Gestik versuchte klar zu machen. Das wiederum ließ uns relativ kalt und wir bestanden auf eine Nachtfahrt ohne zusätzlichen Spannungseffekt.

Kurz nach unserer Ankunft wurde ich – wie sollte es anders sein – krank. Anscheinend war ich zu optimistisch, nach fünf Wochen ohne Magenerkrankung nicht mehr der Indienkrankheit zu erliegen. Ich erspare Euch lieber die Details. Nur eines: solltet Ihr Nach Indien fahren, sollte eine gute Reiseapotheke einen gewissen Platz in Eurem Reisegepäck einnehmen.
Munnar war wirklich schön und nach der Hitze an der Küste Keralas geradezu erleichternd kühl. Immer noch ziemlich angeschlagen, unternahm ich dennoch mit Daniel zwei Touren in die Berge. Wäre mir nicht wieder so fürchterlich schlecht geworden, wäre die Bustour bestimmt toll gewesen – die Landschaft hätte es verdient! Zumindest wurden wir am Ziel unserer Tour belohnt: aus nächster Nähe konnten wir eine komplette Familie wilder Elefanten beobachten inklusive zweier Mini-Elefanten-Babies, die sich an den Bauch ihrer Mutter drängten. Super!
Außerdem bekamen wir noch ein paar Bisons, einige Steppenhirsche und jede Menge frecher Affen zu sehen. Nachdem wir zunächst immer nur ein paar Schatten im Busch sahen oder irgendetwas rascheln hörten und unser Guide ganz aufgeregt in die Luft sprang und offensichtlich freudig erregt irgendwelche Tiernamen nannte, hatte ich den leisen Verdacht, dass es sich auch hier mal wieder um eine der vielen Touri-Abzocken handelte und vermutlich nur ein Kollege mit einem übergezogenen Fell durch die Büsche kroch und „den Tiger machte“. Aber zum Schluss sah ich ein, dass ich ihm Unrecht getan hatte… Sorry!

Hannah

2006/03/09

Backwaters (9.3.2006)


PICT3149
Originally uploaded by schlagwein.

Aufgrund meines kleinen Zahn-Unglücks mussten wir das traumhafte Hampi leider recht schnell wieder verlassen und unsere Reisepläne für den Süden kurzfristig ein bisschen ändern. Zunächst war eigentlich ein weiterer Strandaufenthalt in Gokarna (ebenfalls im Bundesstaat Karnataka) geplant. Dieser Ort ist zugleich ein beliebter Pilgerort.
Hier wollten wir uns noch für ein paar Tage dem Strandleben und dem Nichtstun hingeben bevor unsere Route uns wieder zurück auf unsere „Kultur-Strecke“ im Norden führen sollte. Letztendlich kam jedoch alles anders.
Um einen guten Zahnarzt zu finden – mein kleines Zahnproblem entpuppte sich als überhaupt gar nicht so klein – war es am besten, direkt einen modernen Ort im reichen Staat Kerala aufzusuchen und unsere Wahl fiel auf Kochin, da dies laut Reiseführer zumindest noch ein bisschen kulturelles Rahmenprogramm aufwies. Die auf einer Insel vorgelagerte Altstadt „Fort Kochin“ entpuppte sich zwar als Dreh- und Angelpunkt aller Nord-Süd-Reisenden, war jedoch dennoch nicht überstrapaziert touristisch und trotz meiner ohnehin schon angespannten Nervenlage nicht völlig schlimm, obwohl ich glaube, Daniel mit meiner Laune schon das eine oder andere Mal bis an die Grenzen gereizt zu haben… Nachdem wir im „Park Avenue“ eingezogen waren – keine Angst, so pompös war lediglich der Name und Inder haben eine Schwäche dafür, ihre Restaurants und Hotels nach mondänen Orten zu benennen, an denen sie noch nie gewesen sind, weshalb es ihnen auch keineswegs lächerlich erscheinen kann – machten wir uns auf die Suche nach einem Zahnarzt. Meine Angespanntheit ließ uns keine große Wahl und somit wollte ich mein Glück mit dem vom Hotel empfohlenen Dr. Daniel versuchen und die Sache so schnell wie möglich hinter mich zu bringen.
Leute, stellt Euch einen Zahnarztbesuch in Indien nicht wie zuhause im guten Deutschland vor. Nach Feststellen der Sachlage lag es an Daniel und mir, über den Preis meiner Krone, die mir eingebaut werden sollte, zu verhandeln. Ein Viehmarkt ist nichts dagegen und Dr. Daniel machte sich zunächst nicht besonders beliebt, erwies er sich doch trotz immer wieder in Szene gestellter Pseudo-Westlichkeit definitiv als Inder. Dass er und keinen Tee angeboten hat, um den Preis noch ein bisschen in die Höhe zu treiben, hat mich gewundert.
Letztendlich waren wir dann mit 5000 Rupien dabei – ca. 100 Euro für eine massive Vollkeramik-Krone, handgemeißelt in einem natürlich „best quality“-Labor! Natürlich für das Mädchen nur das Beste… Soweit so gut. Erst während der Behandlung wünschte ich mich sehr in die Obhut meines lieben Zahnarztes Herrn Pätzold in Köln zurück! Aber letztendlich ist die Krone drin und da bleibt sie nach fünf Zahnarztbesuchen hoffentlich auch ne Weile. Die Zeit zwischen den öden Behandlungen versüßten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes mit super-leckerem West-Kuchen im „Kashi Art-Café“ – eine Oase für alle, die der Indien-Realität für eine kurze Zeit entfliehen wollen (Fotos!).
Zwischendurch hatte ich Geburtstag.
Um die Zeit mit Watte im Mund so angenehm wie möglich zu gestalten, fuhren wir mit dem Bus nach Allepuzah, ca. 80km weiter südlich, das bekannt ist für seine traumhaften Backwaters. Tropischer geht’s nimmer! Die Landschaft ist gesäumt von Kanälen und Bananenplantagen soweit das Auge reicht! Tagsüber ist die Luft derart schwül und drückend, dass man denkt, den in ein paar Wochen einsetzenden Monsum schon spüren zu können. Einen kleinen Vorgeschmack erhielten wir eines Abends beim Abendessen. Auf dem Weg von unserem Zimmer bis unter eine Gartenlaube verlor Daniel in den Wassermassen seinen Schuh, der erst Stunden später mit Rückgang der Wassermassen an einem völlig anderen Ort wieder aufgefunden werden konnte!
Am Tag vor meinem Geburtstag mieteten wir zusammen mit einem Pärchen aus New York, die wir im Guesthouse kennengelernt hatten, ein Hausboot, auf dem wir übernachten wollten. Auf den Fotos könnt Ihr Euch am Luxus dieses Gefährts ergötzen: hinter dem Captain befand sich vorne auf dem Bug des Boots eine große Matraze, auf der wir uns in der Sonne aalten. Daran schloss ein überdachter Wohn- und Essbereich an, an dem uns Mittagessen, Abendessen und am nächsten Morgen auch ein Frühstück serviert wurde (das allerdings ein bisschen mager ausfiel für den verwöhnten europäischen Geschmack, na ja…). Dahinter befanden sich drei wunderschöne Schlafräume mit jeweils eigenem Badezimmer. Zum Sonnenuntergang ankerten wir in einem abgeschiedenen Bereich der Kanäle, von wo aus ich diese tollen Schnappschüsse machen konnte. Nach dem Abendessen entschieden Daniel und ich uns, die Nacht draußen auf dem Bug des Boots zu verbringen. Gut versorgt mit Anti-Moskito-Creme, Anti-Moskito-Räucherspiralen und einer dünnen Decke konnten wir ein tolles Schauspiel am Himmel beobachten: auf der einen Seite des Himmels bot sich uns die ganze Nacht ein etwas entferntes Gewitter, während wir auf der anderen Seite viele, viele Sternschnuppen bewundern konnten. Okay, für alle Nicht-Pärchen ist das jetzt vielleicht alles ein bisschen zu rosa, aber schön war es trotzdem. Da ja mein Geburtstag vor der Tür stand, wusste ich, dass Daniel mit den Kellnern irgendeinen Deal hatte, gab es doch ständig was zu flüstern und zu tuscheln… Schon beim Abendessen stellte sich heraus, dass er versucht hatte, mir eine Flasche heiß begehrten Weißwein zu organisieren. Die Kellner versicherten ihm, ihn besorgen zu können und kamen zurück mit einer Flasche Rotwein, die ungefähr einem portugiesischen Portwein entspricht. In Indien trinkt man halt keinen Alkohol und wenn, dann sicher keinen Weißwein! Und ich glaube, den Jungs hier ist der Unterschied auch nicht so sehr bewusst – macht doch alles breit!???
Nun gut, Portwein war auch nicht verkehrt und nach Wochen ohne Alkohol erzielte er recht schnell seine Wirkung…
Kurz vor zwölf verschwand Daniel dann wieder und stand plötzlich mit einem viereckigen, höchst kitschigen Geburtstagskuchen vor mir! Daneben lag auf einem Tablett eine Kokosnuss mit einem roten Geschenkband. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was mich erwartete, da wir eigentlich ausgemacht hatten, uns aus Rücksicht auf unser Reisebudget nichts zu schenken. Als ich die Nuss öffnete, befand sich darin ein Fluggutschein für zwei Personen auf die Andamanen!!! Ich konnte es kaum glauben. Viele Leute hatten uns bereits erzählt, dass diese Inseln im Indischen Ozean, die geographisch gesehen definitiv schon zu SO-Asien zählten, absolut traumhaft sein sollten. Da ich in den Tagen zuvor wirklich sehr von Indien und allem Terror, der sich ereignet hatte, genervt war, hatte Daniel heimlich die Tickets an die Traumstrände gebucht und ich war ihm sehr, sehr dankbar. Mein Nervenkostüm hatte sich nämlich seit meinem super-harten Semester, unserem Umzug und unserer Abreise noch nicht wirklich regeneriert und ich hatte es satt, ständig als exotisches Blondie stundenlang angestarrt und angelabert zu werden, zumal ich körperlich nicht in bester Verfassung war.
Jedenfalls war ihm diese Überraschung mehr als gelungen!
Am nächsten Tag fuhren wir mit einem kleinen Umweg zurück nach Kochin, wo ich endlich meine letzte Zahnbehandlung erhielt. Danach nahmen wir den Bus nach Erlakunam, der Stadtteil auf dem Festland, von wo aus wir nach Munnar weiterfahren wollten.

Hannah